MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Brunhild und Josef Schiffner

„Dem Fröhlichen ist jedes Unkraut eine Blume, dem Betrübten ist jede Blume ein Unkraut.“ (Aus Finnland)

Brunhild und Josef Schiffner

Landwirtin
Landwirt, Krankentransporteur
Siedlung 5
09306 Seelitz OT Neudörfchen

Die Kindheit des 1929 im Sudetenland geborenen Josef Schiffner stand unter keinem guten Stern. Er war erst drei Jahre, seine Schwester sechs Jahre alt, als die Mutter kurz nach der Geburt einer weiteren Schwester starb. Für den Vater eine Herausforderung. Drei kleine Kinder und ein eigener landwirtschaftlicher Hof mit viel Arbeit. Die Oma kümmerte sich, unterstützte wo sie konnte, obwohl selbst schon alt und gebrechlich. Josef Schiffner erinnert sich an die Kriegszeit und besonders an den Bombenangriff auf Dresden. Bei ihnen war Neuschnee gefallen und obenauf lag ein Hauch Ruß. Eine eigentlich herrliche Winterlandschaft zeigte die Realität des Krieges in Form von schwarzem Schnee. Die Schul- und Berufsschulzeit verlief chaotisch. Oft fiel der Unterricht aus. Die Lehrer zogen in den Krieg, gelernt wurde teilweise zu Hause oder auch gar nicht. Auf dem väterlichen Hof erlernte er die Landwirtschaft. 1945 musste die Familie die Heimat verlassen. 30 Kilo Gepäck durften sie mitnehmen, der Vater und seine drei Kinder. Das ehemalige Gefangenenlager Windischleuba war die erste Station. Am Morgen ging es im Güterwagen weiter mit unbekanntem Ziel. Vater Schiffner hatte sich vorgenommen Chemnitz zu erreichen, wo ein Onkel wohnte, und schlug sich mit seinen Kindern selbst weiter durch. Angekommen, stellte sich heraus, dass es auch hier schwierig sein würde Fuß zu fassen. Die Tante war einen Tag zuvor zu Grabe getragen worden. Die Zahl der Flüchtlinge immens, die Möglichkeit Arbeit zu finden dadurch kaum möglich. Also ging es nach ein paar Tagen weiter. Letztendlich gelangten sie durch Vermittlung nach Sternsdorf, konnten Unterkunft und Arbeit auf einem Bauernhof finden – nicht wissend, dass Josef einst die Tochter dieser Landwirte heiraten würde und sich sein bis dahin währendes Unglück in Glück wandeln würde. 1957 heiratete das Paar, die gemeinsamen Kinder Andreas (geb. 1958, Elektriker), Mathias (geb. 1962, Autoschlosser) und Uwe (geb. 1966, Autolackierer) vervollständigten bald die Familie. Josef Schiffner arbeitete zehn Jahre auf dem Hof der Schwiegereltern, wollte jedoch den Weg in die LPG nicht mitgehen und wechselte die Arbeitsstelle. Beim DRK fand er neue Herausforderung, absolvierte Lehrgänge und wurde Krankentransporteur. Sein erstes Fahrzeug war ein P 70 Kombi mit Holzaufbau, die Arbeitskleidung ein blauer Kittel, die hauptsächliche Aufgabe das Fahren von damals vielen an TBC und Gelbsucht erkrankten Menschen in die Kliniken. 37 Jahre bis zur Rente 1994 arbeitete Josef Schiffner in seiner neuen Tätigkeit und erlebte über diese vielen Jahren die Entwicklung des DRK hautnah mit. Bruhnhild Schiffner wuchs mit drei Geschwistern auf dem Hof ihrer Eltern auf. Zeitig mussten die Kinder mit anpacke. Verantwortung zu übernehmen war selbstverständlich – sowohl füreinander als auch innerhalb der Wirtschaft, die Lebensgrundlage aller war. Nach Abschluss der 8. Klasse besuchte sie folgerichtig die landwirtschaftliche Berufsschule, arbeitete auf dem elterlichen Hof. 18-jährig heiratete sie ihren Josef, konnte mit ihm im Jahr 2017 die diamantene Hochzeit feiern. Das junge Paar suchte und fand ein kleines Haus, baute eine eigene kleine Landwirtschaft auf. So konnte Brunhild Schiffner die Arbeit gut mit den Anforderungen an sie als Mutter und Hausfrau verbinden. „Aber unter was für Bedingungen....“ sagt Brunhilde Schiffner und weiter: „Es gab ja nichts...nur altes Gelumpe zusammengesucht, aus allem was gemacht....die Gucklöcher in der Stube mit zwei großen Fenstern ersetzt....zwei Kühe waren da und zum Glück nur ein 99 Ar (9900 qm) großes Grundstück was nicht abgabepflichtig war....doch alles wurde gebraucht, über den Eigenbedarf hinaus produziertes konnte gut verkauft werden....“ Als die Kinder größer waren, die Landwirtschaft nicht mehr lohnte, arbeitete Brunhilde Schiffner bis 1993 auf einer Pelztierfarm. Ein Jahr ABM in der Gemeinde Seelitz und Vorruhestand folgten. Dann ging sie in die Rente. Heute freuen sich die Schiffners über ihre „große Sippe“, die mehr als 20 Angehörige umfasst (darunter fünf Enkel) und sich bei runden Geburtstagen zusammenfindet. „Das ganze Leben war nicht eitel Sonnenschein, es gab immer Höhen und Tiefen und doch haben wir alles gemeinsam gemeistert“ zieht Brunhild Schiffner stolz Resümee ihres gemeinsamen Lebens. Landwirtschaftlich sind sie auch heute beide noch tätig, wenn auch „klein, klein...so wie es noch geht...“ sagen sie und schließen optimistisch: „Wie es kommt, kommt’s, man muss das beste draus machen.“ Und genau das ist es, was sie ja bereits ihr ganzes Leben getan haben.
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