MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Horst Schiechel
Fast vier Jahrzehnte Eisenbahner
Willi-Bredel-Str. 16
04279 Leipzig
Fon: 0341 / 3303814
Eigentlich wollte er Schriftenmaler werden, Doch wer brauchte damals so einen Beruf, erinnert sich Horst Schiechel aus Leipzig heute mit einem Lächeln. Der Sohn eines Kaufmanns kam 1937 in Steinsdorf im heutigen Tschechien zur Welt und besuchte dort zwei Jahre die Schule. Seine Familie siedelte sich nach der Vertreibung infolge des Zweiten Weltkrieges zunächst im sächsischen Sebnitz an, bevor sie 1949 nach Leipzig umzog. Nach dem Abschluss der achten Klasse ging Horst Schiechel 1951 in die Lehre. In der zentralen Werkstatt der Leipziger Maschinenbaubetriebe (VEB), ließ er sich bis 1953 zum Maschinenschlosser ausbilden. Das war auf dem Gelände, auf dem heute das Gondwanaland des Leipziger Zoos steht. So wird er heute bei jedem Zoobesuch an seine damalige Ausbildungsstätte erinnert. Später arbeitete er vier Jahre in einer Schmiede, bevor der Maschinenschlosser 1958 bei der Deutschen Reichsbahn Fuss fasste und nahezu vier Jahrzehnte bis zur Rente sein Geld als Eisenbahner verdiente. 1959 heiratete Horst Schiechel seine Ursula (geboren 1938 in Pommern), mit der er heute noch glücklich und zufrieden zusammen lebt. Das Ehepaar hat drei Söhne (Bernd, geboren 1962, Servicemitarbeiter in der Autobranche; Frank, geboren 1967, Schlosser/Rentner; Jens, geboren 1972, Hausmanager in einem bekannten Möbelhaus ) und vier Enkelkinder. Horst Schiechel, der eine Ausbildung zum Werkmeister an der Ingenieurschule für Eisenbahnwesen machte, arbeitete ab 1965 als Werkstattmeister bei einem Gleisbaubetrieb und ist heute stolz auf das Geschaffene und auf seine Familie. Seine Frau hat ihn stets unterstützt, damit er sich auf der Abendschule und weiteren Lehrgängen weiterbilden konnte. Die Ingenieurschule für Maschinenbau in Leipzig absolvierte er nach einem Abendstudium 1974 als Betriebsingenieur und arbeitete bis zum Rentenbeginn auf dem Gebiet der Instandhaltung der im Betrieb eingesetzten Gleisbautechnik. Der Eisenbahner gehörte der Kammer der Technik an und war auch Mitglied im Verband der Eisenbahningenieure. Ursula Schiechel kümmerte sich nicht nur um die drei gemeinsamen Kinder, sondern hatte zudem die Schwiegermutter 24 Jahre lang im Haushalt mit zu versorgen. Und – Ursula Schiechel ging selbst noch arbeiten. Sie war neun Jahre alt, als ihre Familie im Winter 1944 / 1945 auf der Flucht von Ostpommern mit dem Schiff über die Ostsee in ein Flüchtlingslager nach Dänemark und im Herbst 1947 nach Leipzig kam. Sie lernte zwei Jahre Textilfacharbeiter, schulte um, arbeitete bei einem Zahnarzt und in einem Dental-Labor, und bis zum Rentenbeginn als Verkäuferin in einer Konsum-Kaufhalle. Zu der damaligen Chefin hat sie bis heute noch Kontakt.Gesund bleiben wollen die Schiechels, die stets gerne nach Bayern zu Horst Schiechels Schwester gereist sind. Heute vertreiben sie sich die Zeit mit Lesen, Kreuzworträtseln und Gartenarbeit. Dieses Natur-Erlebnis pflegen sie seit 46 Jahren und auch drei Kinder sind in diese Fußstapfen getreten. Außerdem liebt Horst Schiechel das Fabulieren lustiger Verse. Wann er einst das Licht in seinem Betrieb ausgeknipst hat, weiß er noch ganz genau: bei der Betriebsauflösung im Dezember 1996. Verdammt lange her, meint der Rentner, dem seine Familie nachsagt, dass Ruhe und Ausgeglichenheit zu seinen persönlichen Stärken gehören.