MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Larissa und Günter Schilinski

In den Wirren der Zeit

Larissa und Günter Schilinski

Diplom-Kindererzieherin und Dolmetscherin
Oberstleutnant a. D., Hochschullehrer und Autor
07629 Hermsdorf

Für Larissa Schilinski, geboren 1941 im sibirischen Omsk, bedeutete der Krieg Hunger, für Günter Schilinski, geboren 1935 im ostpreußischen Goldap, Flucht, Hunger und Ende des treugläubigen Hitlerjungen. Im erzgebirgischen Zschorlau, später im thüringischen Asbach wuchs er auf, besuchte die Schule bis zur 8. Klasse. Eine Lehre als Betriebsschlosser absolvierte er im Ankerwerk Schmalkalden, war danach bei Projekten in Vacha (Thüringen) und Eggesin (Mecklenburg) für sozialistische Ideale unterwegs. Dann meldete er sich bei der im Aufbau befindlichen Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR. Er besuchte u. a. die Artillerieschule in Dresden, kam später zu einer Einheit im sächsischen Frankenberg. Von hier aus war ihm die Möglichkeit gegeben, die 10. Klasse nachzuholen und in deutscher und russischer Sprache das Abitur zu erwerben. Noch mehr Wissen war ihm angelegen, das Studium an der Lenin-Akademie in Moskau (1968/72) gab dazu Gelegenheit. 1962 hatte er auf der Krim seine zukünftige Frau kennengelernt, am 1. Januar 1963 wurde dank Sondergenehmigung in Omsk geheiratet. Die Begegnung mit dem Schwiegervater und dessen Berichte über die Stalin-Zeit erschütterten Günter Schilinski in seiner ideologischen Basis. Ab jener Zeit begann er nachzudenken über den Widerspruch zwischen Idee und Realität. Das wirkte sich auch auf seine politische Einordnung aus. 1975 wurde er zur Raketenbrigade ins ostthüringische Tautenhain strafversetzt. Der Oberstleutnant schied auf eigenen Wunsch 1978 aus dem Armeedienst. Danach unterrichtete er an der Jenaer Universität angehende Mediziner in Marxismus-Leninismus mit jener unorthodoxen Haltung, die ihm inzwischen eigen war. Larissa Schilinski fand interessante Aufgaben durch ihre Sprachbegabung. Die diplomierte Kindererzieherin arbeitete in der DDR als Dolmetscherin, machte als Externe einen entsprechenden Abschluss, war dann angestellt bei den Keramischen Werken Hermsdorf. 1990 brachte das Ende dieser Tätigkeit, im selben Jahr ging Günter Schilinski in den Vorruhestand. Bei der Suche nach neuen Aufgaben blieben Enttäuschungen nicht aus, der vielversprechende Mann aus der Werbebranche erwies sich als Betrüger. Die glückliche Mutter und Oma (zwei Töchter, sechs Enkel) blieb arbeitsam, bis sie mit 61 Jahren in Rente ging. Günter Schilinski legte Wissen, Erfahrungen und die Auseinandersetzung mit dem Stalinismus in mehreren z. T. veröffentlichten Büchern nieder.
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