MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dr. Agata Schindler
Akten und Schicksale
Musikwissenschaftlerin und Autorin
Rothhäuser Straße 2
01219 Dresden
Fon: 0351/ 4901331
Seit 1981 lebt die Musikwissenschaftlerin Agata Schindler in Dresden. Zu dieser Stadt, ihrer Geschichte hat sie ein besonderes Verhältnis ebenso wie zu ihrer slowakischen Heimat, in dem Ort Levoča (unweit der Hohen Tatra) wurde sie 1947 geboren. Das Klavierstudium am Konservatorium in Košice wurde begleitet von der musikwissenschaftlichen Ausbildung an der Universität von Bratislava, die der Forscherin 1984 den Doktortitel verlieh.
In Dresden wirkte sie anfangs (1981-90) als Sekretärin des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler. Seit 1995 beschäftigen sie die Schicksale jüdischer und anderer verfemter Musiker während der NS-Zeit. Sie durchforschte Akten und Materialien in Dresden, ganz Deutschland, in Österreich, den USA, Israel und anderen Ländern, kontaktierte Archive und mit dem Thema befasste Kollegen, publizierte die Ergebnisse und referierte darüber auf internationalen Konferenzen. Die Tschechischen Kulturtage in Dresden, die Staatsoper, das Musikfestival Dreiklang im deutsch-tschechisch-polnischen Grenzgebiet, das Goethe-Institut Prag und andere waren ihre Partner bei zahlreichen eigenen Projekten. Als Initiatorin der Ausstellung “Aktenzeichen Unerwünscht”/ Dresdner Musikschicksale und nationalsozialistische Judenverfolgung 1933-1945 , die u. a. in Dresden, Prag, Schwerin gezeigt werden konnte, wie als Autorin des 1999 erschienenen gleichnamigen Buches konnte sie ihre Forschungen der Öffentlichkeit zugänglich machen. Auf die Stadt Dresden bezogen waren ihre Untersuchungen zu diesem Gebiet fast Neuland, viel Unbekanntes konnte sie erschließen, dem Vergessen entreißen. Am meisten freut es sie, wenn es gelingt, die Musik verfemter Komponisten zum Klingen zu bringen.
2003 erschien ihre zweite gewichtige Publikation “Dresdner Liste”, eine Dokumentation, die den Einzelschicksalen von über 150 verfemten Künstlern, die aus Dresden stammten oder hier wirkten, nachgeht. Der erschütternde Band fand über die Stadt hinaus hohe Anerkennung in der Fachwelt und musikgeschichtlich interessierten Öffentlichkeit. In Vorträgen gelingt es Frau Dr. Schindler auf sehr persönliche Weise, diese Biographien lebendig werden zu lassen.
Seit einiger Zeit forscht sie auch zu den Folgen rassischer und ideologischer Verfolgung in der nationalsozialistischen Ära für das Musikleben in ihrer Heimat. Dieser Teil slowakischer Musikgeschichte wird damit erstmals öffentlich reflektiert.