MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Bärbel und Hans Schaper
„Die Erkenntnis der eigenen Kraft macht bescheiden.“ (Paul Cézanne)
Verkäuferin, Sachbearbeiterin
Ing. für Papiererzeugnisse, Schlosser
Turnerstr. 3
09648 Kriebstein OT Kriebetal
Fon: 034327 / 50361
In Lochau (Nähe von Halle an der Saale) wurde Hans Schaper 1935 geboren. Seine Kindheit war somit durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre sehr geprägt. Nicht nur wegen dem eigenen Erleben von Bombenangriffen und Granatbeschuss, von Hunger und Entbehrungen oder weil der Vater einberufen war, sondern auch wegen der späteren Folgen dieser Ereignisse. 1946 kehrte sein Vater aus der Gefangenschaft zur Mutter und den beiden Kindern zurück. Doch auch er war gezeichnet, so dass die Ehe der Eltern schließlich scheiterte. 1941 eingeschult, beendete Hans Schaper die schulische Ausbildung im Jahr 1953. Nach einem abgebrochenen Studium an der TU Dresden trat er in die Fußstapfen seines Großvaters, der in der Ammendorfer Papierfabrik arbeitete, und nahm als Produktionsarbeiter die Arbeit in der Papierfabrik Merseburg auf. Vom Betrieb zum Studium delegiert, qualifizierte er sich an der Ingenieurschule Altenburg zum Ingenieur für Papiererzeugung und wurde im Anschluss (1961) für ein Assistentenjahr an den VEB Papierfabrik Kriebstein vermittelt. „Und die haben mich dann behalten,“ berichtet er schlicht von dem Beginn seiner jahrelangen Tätigkeit in diesem Werk. Die Arbeitsaufnahme dort war zuerst jedoch mit einem Wermutstropfen verbunden: Bereits mit seiner Frau Bärbel verheiratet (Hochzeit 1961), stand vorerst eine räumliche Trennung an, denn Wohnraum war für die junge Familie nicht vorhanden. Tochter Marion (geb. 1961, Lehrerin) und seine Frau konnten erst 1963 zu ihm ziehen, als es gelungen war eine Notunterkunft zu finden. Einige Jahre mussten sie dort bleiben, waren trotzdem froh endlich zusammen zu sein und jung genug alle Herausforderungen zu meistern. Die erste Zeit im Betrieb durchlief er verschiedene Arbeitsbereiche. Er arbeitete als Meister in der Holzschleiferei, führte das Büro für Neuererwesen, war am Aufbau der Zellstoffwattemaschine im Werk beteiligt und später als Schichtleiter tätig. Sein ganzes Arbeitsleben verbrachte er in der Papierfabrik Kriebstein, war 19 Jahre als Verantwortlicher für die Technik der Zellstoffwatteabteilung eingesetzt. 1967 absolvierte er im Rahmen einer Erwachsenenqualifizierung eine Lehre als Maschinenschlosser. Mit Gründung der Abteilung Ratiomittelbau trat er dieser als Konstrukteur bei, entwickelte dringend benötigte Arbeitsmittel mit. Nach der Wende lief der Betrieb, unter Leitung der ursprünglichen Eigner (Unternehmerfamilie Niethammer), nahtlos weiter. 1994 wurde die Abteilung Ratiomittelbau aufgelöst. Hans Schaper trat über den Vorruhe- in den Ruhestand. Seine Frau Bärbel war da schon zu Hause. Sie wurde 1938 als Tochter eines Schlossers und einer Fabrikarbeiterin und eins von drei Kindern der Familie geboren. 1946–1954 besuchte sie die Schule, lernte danach in der Konsumgenossenschaft den Beruf Verkäuferin für Lebensmittel. Als sie 12 Jahre alt war, wurden ihre Eltern geschieden. „Das ist etwas, was nicht nur die Kindheit verändert, sondern einem ein Leben lang nachhängt. Die Zeit nach dem Krieg hat uns geprägt. Wir waren sehr arm, durchlebten eine schwere Zeit und waren trotzdem zufrieden,“ erzählt sie davon und auch von den ersten herausfordernden Jahren in der Ehe. 1965 wurde Tochter Antje geboren (Glasbläserin, Pflegekraft), 1967 Sohn Ralf (Teilfacharbeiter Lager und Transport, Fliesenleger). Der Sohn bedurfte besonderer Obhut, was eine Weiterbeschäftigung im Handel nicht mehr zuließ. Bärbel Schaper arbeitete verkürzt als Sachbearbeiterin in der Papierfabrik bis zur Wende. „Dann fielen ja diese ganzen Bürostellen weg,“ berichtet sie von dem Gang in den Vorruhe- und späteren Ruhestand mit 58 Jahren und dem gemeinsamen Hauskauf und dessen schrittweisen Aus- und Umbau. Drei Enkel bereichern die Familie und Urenkel sind auch schon da. Bärbel Schaper sagt: „Sie sind unser Reichtum, den schätzen wir sehr.“ Beständigkeit, Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft waren ständige Begleiter in Beider Leben. Sie haben alles aus eigener Kraft geschafft und sind stolz darauf, wie auch auf ihre Familie.