MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Bernhard Schattauer
Stolz auf das Geschaffene
und Antje Schattauer
Diplomingenieur für Werkzeugmaschinenbau
99423 Weimar
Seine Kindheit war alles andere als auf Rosen gebettet. Denn Bernhard Schattauer wurde während des Zweiten Weltkrieges geboren. Der heutige Diplomingenieur im Ruhestand aus Weimar kam 1940 im ostpreußischen Tilsit zur Welt. Von 1941–1944 musste seine Familie mehrmals wegen Ausbombung flüchten, zog zwischendurch nach Dessau zu Verwandten, kehrte nach Tilsit zurück und kam nach Sachsen und Thüringen. 1946 wurde Bernhard Schattauer in Vacha vor der Rhön eingeschult. Von dem Ort an der Grenze zwischen Thüringen und Hessen wäre es leicht gewesen, in den Westen zu gehen, doch nach dem Tod seines Vaters (1948) hatte Bernhard Schattauers Mutter, nicht den Mut, diesen Schritt zu wagen. Nach dem Abitur, das Bernhard 1959 ablegte, wollte er studieren. Es wurde ihm verwehrt, weil er sich geweigert hatte, seinen Wehrdienst abzuleisten. „Ich bekam eine miese Beurteilung, in der stand, dass ich nicht bereit sei, die DDR zu schützen“, erinnert sich Bernhard Schattauer zurück. So erlernte er den Beruf als Betriebsschlosser für die Kaliindustrie. In einem ausgedienten Schacht, der als Bildungsstätte für Bergwerksmaschinen Dietlas diente, lernte Bernhard Schattauer von 1959–1961 in einer Sonderklasse. Seine Delegation zum Studium hatte der Lehrbetrieb dem Armeeverweigerer gegenüber zurückgezogen. Aber 1961, im Jahr des Mauerbaus, herrschte „Chaos“, blickt Bernhard Schattauer zurück auf die Zeit, als er doch ein Werkzeugmaschinenbau-Studium mit der Fachrichtung Plastmaschinen in Karl-Marx-Stadt begann. Nach fünfeinhalb Jahren kam er mit seinem Diplom in der Tasche 1967 nach Tambach-Dietharz in Thüringen. Im dortigen Verarbeitungsbetrieb für Kunststoffe wurde er als Technologe eingesetzt und richtete für die Orwo-Filmfabrik Maschinen ein. Da es an seinem Arbeitsort schlecht mit Wohnraum aussah, zog Bernhard Schattauer nach drei Jahren in die Uhrenstadt Ruhla. Von 1970–1975 war er im Uhren-Kombinatsteil Planung und Werkzeugmaschinen im Büro planerisch tätig. Während dieser Zeit lernte er seine Frau Antje (verheiratet seit 1975, zwei Söhne, zwei Enkel) kennen und fand eine Anstellung im Weimarwerk. Wegen seiner Biografie bekam er nie eine Reisegenehmigung, leitete die Geschicke für Internationale Zusammenarbeit/Perspektivplanung/Investitionsvorbereitungen als „Heimarbeiter“ vom Schreibtisch aus. Als Sohn Henning (geboren 1967, aus erster Ehe seiner Frau) nach einem schweren Unfall bei der Armee 1987 zum Pflegefall wurde, änderte sich das Leben schlagartig. Bernhard Schattauer arbeitete halbtags, verlor seine Arbeit im Weimarwerk 1990 und stieg nach der Wende berufsfremd in ein privates Dienstleistungsunternehmen ein. 2000 ging er in Rente. Heute ist er, der seinen Sohn von 1989–2009 gepflegt hat, stolz darauf, die mit dem Unfall des ältesten Sohnes verbundenen Probleme erfolgreich bewältigt zu haben, ohne physische und psychische Schäden zu nehmen.