MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Richarda Scharf
In guter Nachbarschaft
Spinnerin
Feldstr. 1 h
09661 Striegistal OT Böhrigen
Während die Eltern fleißig arbeiteten, fand die kleine Richarda Geborgenheit bei der Uroma. Von diesen Erfahrungen, von dieser Liebe konnte sie weitergeben, erst an die eigenen Kinder, dann an die Enkel. Das kleine Örtchen Böhrigen, an dem Flüsschen Striegis in Mittelsachsen gelegen, wurde ihre bleibende Heimat. Hier kam sie 1953 auf die Welt, besuchte acht Jahre die Schule. In der örtlichen Textilfabrik, damals noch bei einer privaten Chefin, später verstaatlicht und als Volkeigener Betrieb (VEB) geführt, lernte sie in zwei Jahren alle wichtigen Grundlagen ihres Berufes, schloss als Textilfacharbeiterin ab. Beim Urlaub an der Ostsee hatte sie ihren Mann kennengelernt. Burkhard Scharf stammte vom Oderhaff. Anfangs sah man sich selten, wechselten Briefe zwischen Sachsen und Küste. Als sie 1971 heirateten, zog Frau Richarda zu ihm. Im selben Jahr wurde der erste Sohn, Sven, geboren. Doch hier oben fand sie keine Arbeit, keinen Krippenplatz. So entschied sich die Familie ein Jahr später wieder nach Böhrigen zurückzukehren, zumal ihr Mann, gelernter Maurer, auch hier schnell Anstellung fand, sie in ihre Firma zurückkehren konnte und den gewünschten Platz in der Kinderkrippe zugewiesen bekam. Burkhard Scharf arbeitete seitdem als Schmied beim VEB GUS Achsen-, Federn- und Schmiedewerk im nahen Rosswein. Als Volkseigene Betriebe (VEB) 1990 Geschichte wurden, fand er über lange Jahre Arbeit in Solingen, kam vom Bergischen Land aber nur alle vierzehn Tage oder gar nur vier Wochen zur Familie nach Hause. Er verstarb 2010. Richarda Scharf, deren Betrieb, in dem sie fast zwanzig Jahre als Spinnerin ihr Auskommen gefunden hatte, ebenfalls stillgelegt wurde, begann in einer Verwaltungsschule und bei einer Chemnitzer Reinigungsfirma, freute sich aber, als das Autohaus Herfter in Hainichen (wo ihr 1975 geborener zweiter Sohn Jens eine Lehre als Mechatroniker aufgenommen hatte) ihr anbot, für diese Firma und den Privathaushalt der damaligen Chefin zu arbeiten. Von 1992 bis zum Jahr 2012, als gesundheitliche Probleme an ihrer Kraft zehrten, konnte sie hier vielseitig, sozusagen als Mädchen für alles, zur freundlichen Firmenatmosphäre beitragen.
Nun erlebt Frau Richarda die ruhigeren Jahre im 1988 mit ihrem Mann selbst gebauten Haus. Vier Enkelkinder sind ihre große Freude.