MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Barbara Schardt
Das Unmögliche möglich machen
Pädagogin
Str. des Friedens 14
08606 Oelsnitz
Fon: 037421 / 23244
Einst selber zur Flucht gezwungen, kann sie nicht nachvollziehen, wie viele Bürger unseres Landes heutzutage mit Flüchtlingen umgehen und bringt dies in einem Satz auf den Punkt: „Die Deutschen sollten sich schämen!“
Schämen brauchte sich Barbara Schardt, geboren am 15.07.1929 in Braunsberg/Ostpreußen, nie. Ihre Bahnen zog sie mit eiserner Beharrlichkeit und kämpfte für ihre Ziele.
1945 kam die Familie von Ostpreußen nach Thüringen. 1936 eingeschult, legte sie das Abitur 1948 in Jena ab und der Berufswunsch stand fest. Mathematiklehrerin wollte sie werden. Nicht zugelassen zum Studium der Mathematik, ergaben erst viel spätere Nachforschungen, dass sie abgelehnt wurde, da sie sich nicht politisch engagierte.
Glücklicherweise gelang es Barbara Schardt, Neulehrer zu werden. 1949 ließ sie sich in Wilhelmstal ausbilden, arbeitete als Unterstufenlehrerin, nutzte eine externe Ausbildung für das Unterrichtsfach Deutsch in Weimar und studierte letztendlich doch Mathematik. Auf der Basis eines Fernstudiums – übrigens war sie das einzige Mädchen der Klasse – schaffte sie das Unmögliche.
Barbara Schardt lehrte in Watzdorf, Katzhütte und Tautenburg. Weiterhin in Camburg tätig, machten ihr Kollegen das Leben schwer. Sie war CDU-Mitglied, gehörte ehrenamtlich dem Kreisvorstand Jena sowie dem Bezirksvorstand Gera an und wurde in diesem Rahmen mehrfach ausgezeichnet. An der Schule war dies nicht gern gesehen, doch wieder ging die Pädagogin unbeirrt ihren Weg.
Ihre letzte Station führte nach Kahla und zeitgleich mit der Wende wurde sie Rentnerin. Noch ein Jahr arbeitete sie drei Tage die Woche, bis ein Vorgesetzter aus den Altbundesländern festlegte: „Bei uns arbeiten keine Rentner.“ Damit war die pädagogische Ära beendet.
Eine andere jedoch begann erst. Während eines Kuraufenthaltes in Bad Elster lernte sie 1992 ihren späteren Ehemann Walter kennen. Zwei Jahre prüfte sich das Paar. 1994 zog sie zu ihm nach Oelsnitz. Er war studierter Musiker und Musiklehrer, spielte als Bläser vordergründig Waldhorn, war jedoch ebenso mit Tasteninstrumenten vertraut.
Gemeinsam unternahm das Paar herrliche Schiffsreisen durch Europa, doch auch bis in die Karibik. Extra für diese Reisen wurden an der Volkshochschule Englischkenntnisse aufgefrischt. Leider verstarb ihr Walter 2014.
In Oelsnitz nun sehr allein und einsam, wird sich Barbara Schardt in Kürze einem Seniorenkreis anschließen. Und vielleicht findet sie dort eine ganz liebe Freundin, die sie sich so sehr wünscht.