MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Jutta und Gerhard Schacker
„Ich möchte mal Gott sein, dann würde ich alle Ungerechtigkeiten beseitigen....“ (Gerhard Schacker)
Spinnerin
Kfz-Schlosser, Meister des Kfz-Handwerks
MohsdorferStr. 65
06218 Burgstädt
Gerhard Schacker wurde 1936 in Deutsch Eich geboren. Die Eltern betrieben eine Landwirtschaft und Sohn Gerhard war das älteste von drei Kindern. Als die Familie 1945 die Flucht antreten musste, erlebte Gerhard das schon sehr bewusst mit. „Mit Pferd und Wagen ging es am 23.01.1945, 09.30 Uhr los. Um 13.30 Uhr fuhren bereits die russischen Panzer durch den verlassenen Ort. Am 22.02.1945 kamen wir endlich, aber vollzählig in Mutzscheroda an“ berichtet er davon. Er erinnert sich an seinen ersten Schultag in der neuen Heimat. Das „Guten Tag“ wurde vom Lehrer schroff erwidert mit dem Satz „Das heißt ‚Heil Hitler’!“ Und daran, wie nach Kriegsende gleicher Lehrer bei diesem Gruß belehrte: „Das braucht ihr jetzt nicht mehr sagen!“ Man passte sich eben damals an.... Mit zwei jungen, erst unbeschlagenen Pferden und als Treckführer hatte Gerhards Vater die Familie nach Mutzscheroda gebracht und später mit diesen Pferden (Zucht) auch Geld für die Familie verdient ¬– neben der Arbeit in der Landwirtschaft. 1951 schloss Gerhard Schacker seine schulische Ausbildung ab, wollte gerne Autoschlosser werden. Er fand nicht gleich eine Ausbildungsstelle und lernte deshalb an der Oberschule weiter. Die verließ er nach einem Jahr jedoch wieder als ihm zu Ohren kam, dass die Autowerkstatt Schenkel in Geithain einen Lehrling suchte. Persönliche Vorstellung führte zu Aufnahmeprüfung und Lehrvertrag. Den Ärger mit der Schule wegen seines eigenmächtigen Abbruchs nahm er gerne in Kauf um sein Berufsziel verwirklichen zu können. Zweieinhalb Jahre später war der junge Mann Kfz-Schlosser und arbeitete als Geselle weiter im Betrieb. Das Jahr 1962 beschreibt er als ein sehr erfolgreiches: „Da habe ich geheiratet, unsere Tochter Sylvia (Friseurin) wurde geboren und ich habe meine Meisterprüfung erfolgreich bestanden“ fasst er die Ereignisse zusammen. Fünf Jahr später bereicherte Sohn Torsten (Maurer, zwei Kinder) die junge Familie. Der frischgebackene „Meister des Kraftfahrzeughandwerks“ sann über berufliche Selbstständigkeit nach, konnte diesen Wunsch jedoch nicht verwirklichen. Weder vom Rat des Kreises, noch von der Handwerkskammer erhielt er Unterstützung. Privates Handwerk war nicht erwünscht, sein Einsatz in einer PGH gewollt. Doch Gerhard Schacker beugte sich dem nicht. Er blieb im privaten Handwerk als Meister tätig und arbeitete schließlich bis 1996 in einer privaten Fiat- / Renault-Vertragswerkstatt. In den letzten Arbeitsjahren lernte er den Unterschied zwischen der DDR-Mangel- und der BRD-Wegwerf-Gesellschaft kennen. Austausch statt Reparatur trat an die Tagesordnung. Verschwendung von Ressourcen ärgert ihn schon immer. Ruhestand mit 60 war für ihn ein Gang mit schwerem Herzen. „Wir sind immer wieder auf Arbeit gegangen, ich gehe heute noch....“ erklärt Jutta Schacker die Bilder im Kopf und die nächtlich oft wiederkehrenden Träume von der früheren Berufstätigkeit. Es war ein Großteil ihres Lebens, ihrer sozialen Kontakte, Ihrer Anerkennung und Selbstbestätigung von der sie sich mit dem Renteneintritt verabschieden mussten. 1940 in Breslau als eins von fünf Kindern ihrer Eltern geboren, erlebte auch sie die Flucht, den Verlust der Heimat und den Neuanfang mit. „Was meine Mutter geleistet hat (Vater war im Krieg) ...da staunen wir heute nach.....“ berichtet Jutta Schacker und vom Hungern und Bangen in schwerer Zeit. Nach Abschluss der 8. Klasse lernte sie Spinnerein und arbeitete im Beruf (Drei-Schicht-System) bis 1965. Später in der Küche eines Horts tätig (2-jähriger Sohn durfte mitgebracht werden), wechselte sie danach in die Küche des Landbaus, blieb 17 Jahre dort tätig. Dann musste sie sich familiären Aufgaben widmen, denn Oma und Mutti benötigten ihre Hilfe und Pflege. „Wir sind zufrieden mit unserem Leben, dem Geschaffenen, dem Leben unserer Kinder und mit allem insgesamt....“ zieht Jutta Schacker abschließendes Resümee. „Garten und Basteln, aus allem was machen...“ beschreibt sie jetzige Aktivitäten. 36 Jahre Gartenvereinsmitgliedschaft endeten 2004. Die Kindheitserlebnisse der Eheleute begründen ihren einzig vorhandenen Wunsch: Frieden!