MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dr. med. habil. Dieter Sauer
„Die DDR war unser Leben, da sind wir groß geworden....“
Facharzt für Chirurgie / Plastische Chirurgie
Dozent
Edmond-Kaiser-Str. 6
04158 Leipzig
Fon: 0341 / 4616487
1941 in Ostpreußen als Sohn eines Theologen und einer späteren Katechetin geboren, war Dieter Sauer erst drei Jahre alt, als die Familie 1944 nach Sachsen evakuiert wurde. Der Vater kam aus dem Krieg nicht zurück. Für ihn – beim DRK aktiv – wurde früh das Berufsziel klar: Arzt wollte er werden. Nach dem Abitur bewarb er sich zum Medizinstudium, wurde vorimmatrikuliert, mit einer Wartezeit von zwei Jahren, die sich dann auf ein Jahr verkürzte. Dieses nutze er für praktische Tätigkeit, arbeitete als Hilfspfleger in einem Krankenhaus. An der Karl-Marx-Universität Leipzig begann er 1961 sein Medizinstudium, schloss es im November 1967 mit der Approbation zum Arzt und Promotion zum Dr. med. ab. Die Chirurgische Universitätsklinik war sein erster Einsatzort. Dort absolvierte er 1967–1972 seine Facharztausbildung, engagierte sich innerhalb der Forschungsgruppe Verbrennungsverletzungen, übernahm diese später leitend. Die Entwicklung eines speziellen Verbandsstoffes für die Erstversorgung von Verbrennungswunden, der heute noch Anwendung findet, war ein Ergebnis dieser Arbeit. Die Vermarktung durch den ehemaligen Außenhandel der DDR eröffnete ihm damals die Chance, Vorträge im Ausland (Jugoslawien, Italien, Ecuador) zu halten und bei dieser Gelegenheit Chirurgische Kliniken in diesen Ländern kennenzulernen. Hohe staatliche Auszeichnungen waren die Anerkennung der außergewöhnlichen Leistung. Dr. med. habil. Sauer arbeitete viele Jahre als Leiter der Poliklinischen Abteilung an der Chirurgischen Universitätsklinik. Diese poliklinische Tätigkeit war für ihn die Grundlage, nach der Wende eine eigene chirurgische Praxis zu eröffnen. Mit einem Investitionsvolumen von 700.000 D-Mark und einem schnell wachsenden Patientenaufkommen von ca. 150 Patienten pro Tag, Wochenendsprechstunden und ständiger Bereitschaft, durchlebte er eine schöne aber auch sehr belastende Zeit, in der sich Arbeits- nur noch mit Schlafzeit abwechselte. Mit der Einführung der Budgetierung im Gesundheitswesen 1995 wurde das hohe Patientenaufkommen finanziell bestraft. Die daraus resultierende Notwendigkeit, die Leistung am Patienten zu reduzieren, widerstrebte dem Mediziner und führte zu der Entscheidung im Jahr 2000 eine Privatklinik für plastische und allgemeine Chirurgie zu gründen. Neun Jahre lang behandelte er hier Patienten aus den gesamten neuen Bundesländern, erlitt dann selbst einen Schlaganfall und musste wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen die Klinik in die Hände einer Kollegin übergeben. Als Verlust der Wende betrachtet Dr. med. habil. Sauer die Strukturen des Gesundheitswesens. Der Zugewinn der Reisefreiheit ist nur von Menschen mit entsprechenden Mitteln und physischen Voraussetzungen nutzbar, schätzt er ein. Seit 1964 ist er mit Dr. habil. Heidemarie Sauer verheiratet, die nur kurz im Studienberuf (Lehrer Biologie und Chemie) arbeitete, später an der Universität in der Wissenschaftsorganisationsstelle tätig war und sich letztendlich mit dem Fachgebiet Immunologie befasste. Sie erlebte nach der Wende die demütigenden Überprüfungen, Umstrukturierungen, Auflösungen und Zentralisierungen, die 1996 auch für Frau Dr. rer. nat. habil. zum Aus an der Universität führten. Nach verschiedenen Tätigkeiten als Dozentin und Beraterin widmete sie sich ab 2004 ausschließlich der Familie. Dazu gehören Sohn Torsten, Tochter Beate und vier Enkel.