MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Dr. Gerhard Sarodnick

Auch unter widrigen Umständen sich selbst treu bleiben

Gerhard Sarodnick
Hochschullehrer i. R.

Güldenhofer Ufer 10 12437 Berlin-Baumschulenweg Fon: 030 / 5325890

Gerhard Sarodnick ist im Leben nichts geschenkt worden. Mit 14 Jahren muss er die Machtübernahme durch die Nazis erleben, seine Pfadfinderorganisation wird aufgelöst, und ein Teil der Mitglieder wird in Pirna vom Deutschen Jungvolk übernommen. Hier, wie auch später in der Hitlerjugend, versucht er, wie andere auch, unter den neuen Verhältnissen die alten Pfadfindertraditionen weiterzuführen, was seine Degradierung zur Folge hat. Aus einem sozialdemokratischen Elternhaus kommend, muss er aus Geldnot, weil sein Vater arbeitslos geworden ist, das Realgymnasium verlassen. Er verliert seine Lehrstelle bei der Stadtverwaltung, als er einen verschlossenen Brief an seinen im Konzentrationslager Sachsenburg gefangen gehaltenen Lehrer öffnet und eine Abschrift anfertigt, wobei er entdeckt wird, was zu seiner fristlosen Kündigung führt. Eine neue Lehr-oder Arbeitsstelle wird er nur erhalten, wenn er sich fünf Jahre lang als deutscher Mann bewährt hat (Reichsarbeitsdienst, Wehrmacht), teilt ihm der Pirnaer Oberbürgermeister mit. Er lernt ein Jahr lang Drill im Reichsarbeitsdienst kennen und verpflichtet sich für 4 ½ Jahre Dienst bei der Luftnachrichtentruppe. Während des 2. Weltkrieges wird er an verschiedenen Fronten als Bordfunker eingesetzt, zweimal nach Abstürzen aus feindlichem Gebiet gerettet, was in Bordbüchern dokumentiert ist, die sich im Berliner Technikmuseum befinden. Er wird zunehmend nachdenklicher über die Sinnlosigkeit dieses Krieges, führt kritische Diskussionen mit seinen Kameraden, von denen er den Spitznamen „Roter Matrose“ erhält. Er entgeht knapp einer Denunziation, lernt aber auch Zivilcourage von Vorgesetzten und Kameraden kennen, die ihn vor dem Schlimmsten bewahren. Im Dezember 1947 kehrt er aus der Kriegsgefangenschaft, die er in einem Bergwerk und auf einem Bauernhof in Belgien verbracht hat, zurück. Er entscheidet sich ganz bewusst für den Aufbau einer neuen Gesellschaft im Osten Deutschlands. Von seiner ersten Arbeitsstelle, der Hauptabteilung Sozialpolitik im Landesvorstand des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) in Dresden wird er zu einem zweijährigen Studium an der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig, Fachrichtung Sozialpolitik, delegiert. Nach Abschluss des Studiums erhält er zunächst auf Grund seiner Kriegsgefangenschaft im Westen keine Anstellung (Befehl Nr. 2 vom Präsidenten der Deutschen Verwaltung in der sowjetischen Zone v. 14.01.1949). Lediglich das Arbeitsamt in Dresden bietet ihm die Möglichkeit, als Aushilfsangestellter, später als Sachbearbeiter, zu arbeiten. In dieser Zeit bereitet er sich vor, als Externer die Prüfung zum Diplom-Wirtschaftler abzulegen, was ihm erfolgreich gelingt. Von 1951 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1984 ist er als Hochschullehrer in Leipzig und Berlin tätig, wo er vor allem mit seinen unkonventionellen Lehrmethoden Aufsehen erregt. Er baut zwei neue Vorlesungsreihen auf, eckt mit Thesen an, die später zur offiziellen Parteilinie werden. Er ist bis heute ein Mensch geblieben, der aus seiner Meinung keinen Hehl macht.
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