MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christ Römer
„Zufriedenheit ist der Stein der Weisen, der alles in Gold verwandelt was er berührt.“ (Benjamin Franklin)
Emailierer
Selbstständige Markthändlerin
Bruchheimer Str. 10
04643 Geithain
Die Flucht einer Bauersfamilie aus der DDR in die BRD wurde zum Glücksfall für die Großeltern von Christa Römer. Sie erhielten und bewirtschafteten den zurückgelassenen Hof und als Enkelin Christa 1951 geboren wurde, konnte sie dort naturverbunden und behütet aufwachsen. Ihre Mutter arbeitete bei den Großeltern in der Landwirtschaft, ihr Vater als Heizer auf einer Lok. „Kein Wunder wenn bei dir die Hausaufgaben fehlen....“ bemerkte später ein Lehrer, weil er wusste wie sehr das Mädchen Christa schon in die Arbeit auf dem Hof einbezogen wurde. „Meine Oma stand schon an der Tür wenn ich aus der Schule kam. ‚Du musst mal mit füttern, du musst mal.....’ rief sie mir zu....“ Im UTP-Unterricht (Unterrichtstag in der Produktion) formte sich während der Schuljahre 1957–1965 ihr Berufswunsch, den sie mit Aufnahme der Lehre im VEB Emaillierwerk Geithain realisierte. Drei Jahre später als Facharbeiter Emaillierer die Ausbildung beendend, blieb sie die folgenden 15 Jahre im Dreischichtsystem des Betriebes tätig. „Ich habe meinen Beruf sehr gerne gemacht“ sagt sie rückblickend. 1970 heiratete sie ihren Mann Gerd (Emaillierer, verstorben 2008), den sie während der Arbeit kennengelernt hatte. Im gleichen Jahr konnte sich das Paar über die Geburt von Tochter Peggy (Bäckerin) freuen. Nach dem Schwangerschaftsurlaub in den Beruf zurückgekehrt, wurde die Betreuung des Kindes durch Betriebskindergartenplatz und „Mutter-Oma-Wechselschichten“ gewährleistet. Eine anstrengende und doch für die Entwicklung des Kindes gute Zeit, weil sie zu einer hohen Selbstständigkeit des Mädchens führte. Als Tochter Peggy in die 5. Klasse kam und die schulischen Anforderungen höher wurden, entschloss sich Christa Römer ihre Berufstätigkeit dem anzupassen. Arbeit in der Sportlerkantine und in der Arbeiterversorgung und Reinigung der Gebäudewirtschaft folgte. „Und dann habe ich mir einen Wunsch erfüllt und bin zur Post gegangen“ erzählt sie vom Postaustragen mit Zusteller-Karre, Zeitungsgeld kassieren, Rennerei treppauf, treppab und wie sich die Aufgaben änderten und Postautos die Karren ablösten. Ein Jahr nach der Wende wurde sie gekündigt. „Im öffentlichen Dienst wurden Arbeitsplätze reduziert, die Mitarbeiter bei der Post untergebracht und deshalb dort Kräfte gekündigt. Nach dem Prinzip: wer als letzter kam muss als erster gehen, betraf eine Kündigung auch mich“ berichtet sie. Eine neue Arbeitsstelle konnte sie nicht finden. Auch ihrem Mann erging es so. Deshalb entschlossen sie sich als Markthändler tätig zu werden. Christa Römer meldete ihr Gewerbe an, ihr Mann arbeitete bei ihr mit. Doch nach seinem Tod konnte sie die Selbstständigkeit nicht mehr aufrecht erhalten weil sie körperlich den Auf- und Abbau des Standes nicht alleine bewerkstelligen konnte. Mit Harz IV musste sie die letzten Jahre bis zum Eintritt in die Rente mit 63 Jahren überstehen. Wegen Eigenbedarf aus ihrer Mietwohnung gekündigt erwarb sie im Jahr 2013 das Haus in dem sie heute lebt. „Mit 62 Jahren habe ich nochmal komplett neu angefangen...“ beendet sie schlicht ihre Erzählung über Herausforderungen in ihrem Leben, schwere Zeiten und die Hilfe von Mutter und Tochter bei der Bewältigung. Sie ist stolz auf das Erreichte und wenn die Kinder zu Besuch da sind, genießt sie den Zusammenhalt, Garten und Haus ganz besonders. Dass Traditionen in den Regionen immer mehr in Vergessenheit geraten und nicht mehr so gepflegt werden wie einst, bedauert sie sehr. Sie selbst liebt die erzgebirgische Volkskunst und fühlt sich am wohlsten „wenn ich meinen Kirchturm sehe“, wie sie sagt.