MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christine und Dieter Sacher
Tradition ist nicht Erinnerung sondern Weitergabe!
Landwirtin, Verkäuferin
Fleischermeister
Am Rathaus 27
09306 Wechselburg
Dieter Sacher wurde 1942 geboren und erinnert sich an eine schöne Kindheit. „Trotz Kriegs- und Nachkriegszeit mussten wir nie hungern“ erzählt er. Und das wundert nicht, denn nicht nur seine beiden Großväter, sondern auch sein Vater waren Fleischermeister. Die Eltern hatten eine eigene Fleischerei in Wechselburg. „Wir Kinder mussten aber auch beizeiten mit anpacken“ berichtet er und dass für ihn schnell klar war einmal in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Das tat er dann auch. Nach der Schulzeit (1948–1956) lernte er bei ihm den Fleischerberuf, arbeitete fortan Seite an Seite mit ihm. So in der Praxis viel lernend und sich auf der Meisterschule (1964–1965) theoretisches Rüstzeug holend, war er 1976 für die Geschäftsübernahme gut geschult. „Vater hat das Geschäft durch die Hitler-Zeit geführt, ich durch die DDR-Zeit und seit 1998 führt mein Sohn Steffen (geb. 1963, Fleischermeister) es in der Nachwende-Zeit weiter“ freut sich Dieter Sacher über den Bestand der Familientradition. Nach der Wende kam es ein halbes Jahr zu großen Umsatzeinbrüchen, denn die Menschen mussten sich erst neu orientieren. Heute sind die Supermärkte die großen Konkurrenten. Doch mit der Übernahme eines Lebensmittelladens und einer Fleisch-Theke mit dem Angebot aus eigener Produktion konnte das ausgeglichen werden. „Man muss sich drehen, will man etwas erreichen“ resümiert Dieter Sacher. Gute Qualität und Party-Service unterstützen auf dem erfolgreichen Weg. Auch Christine Sacher hat ihren Anteil daran. Sie hilft heute noch bei ihrem Sohn aus, wenn Unterstützung gebraucht wird. 1944 geboren, lernte sie Dieter Sacher mit 17 Jahren im Tanzsaal kennen. 1963 wurde geheiratet. Der Geburt von Sohn Steffen folgte 1966 die von Sohn Andreas (Fleischermeister, Gewürz-Händler). Beide Söhne haben ihrerseits für vier Enkelsöhne gesorgt und ein Urenkelsohn ist auch schon da. So schließt sich der Kreis: Der eine Bruder macht die Wurst, der andere liefert die dafür benötigten Gewürze. Die Zusammenarbeit von Dieter und Steffen innerhalb der Fleischerei funktionierte immer genauso gut wie der Zusammenhalt in der Familie insgesamt. Jeder arbeitete eine Zeit unter der Leitung des anderen. Dieter Sacher ist stolz auf seine 50 Jahre Berufstätigkeit und den Goldenen Meisterbrief. Christine Sacher war in der Kindheit – durch den frühen Tod des Vaters – nicht auf Rosen gebettet. Sie wuchs bei den Großeltern auf. Nach der Schule lernte sie in der Landwirtschaft, arbeitete später in der Papierfabrik und ab Eheschließung mit Dieter Sacher auch in der Fleischerei seiner Eltern. Sie trug wesentlich mit zum Erfolg des Betriebes bei. Die Eheleute freuen sich über das 75-jährige Geschäftsjubiläum und wünschen sich, dass die Familientradition auch einmal durch die Enkel weitergeführt wird. Indessen sind Haus, Hof und Garten die Lieblingsbeschäftigung der beiden. Und wenn es in der Welt etwas gerechter zuginge und die Politik mehr dazu beitragen würde, dann wäre alles gut, so finden sie.