MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Annemarie Rößner

„Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten“ (Aristoteles)

Annemarie Rößner

Landwirtin
An der kleinen Striegis 90
09669 Frankenberg OT Langenstriegis

Als Annemarie Nebe und Tochter von Landwirten 1935 geboren, erinnert sich Annemarie Rößner an die Erzählungen der Familie: Die Prioritäten lagen damals anders. Das Wetter hatte lange eine Aussaat nicht zugelassen. Als Annemaries Mutter in den Wehen lag brachte der Vater deshalb lieber den Hafer aus, statt die Hebamme zu holen. Ernteertrag und das Auskommen der Familie hing davon ab! „Pfennigkram, was die damals dafür gekriegt haben“, sagt sie heute über diese schwere Zeit. 1941–1949 besuchte sie die Schule in Hausdorf. Der lange Weg dahin, wie auch der in die Sonntagsschule zuvor, wurde bei Wind und Wetter zu Fuß zurückgelegt. „Fahrräder hatten wir doch nicht, wie sollte es da anders gehen“, erinnert sie sich. Die Kriegsgeschehnisse waren im Dorf wenig zu spüren. Verdunkelt musste jedoch werden wegen der Bombenangriffe, erzählt sie, und von den französischen Kriegsgefangenen die in einem Lager in Hausdorf untergebracht waren und in der Landwirtschaft arbeiteten. Weiter auch davon, dass es wenig gab und die Zuckertüte nur mit selbstgebackenen Plätzchen gefüllt werden konnte. Man lernte an wenig Freude zu haben und trotzdem herrschte Zufriedenheit. Gerne wäre sie Verkäuferin oder Friseurin geworden, doch dafür gab es keine Möglichkeiten. Sie wurde auf dem Hof gebraucht, arbeitete auf dem Hof des Vaters und später auf dem des Mannes Horst (Meister Landwirtschaft, Schlosser, verstorben 2002). Ihn hatte sie auf dem Tanzboden kennengelernt und 1957 geheiratet. Im gleichen Jahr wurde Tochter Petra geboren (Verkäuferin). 1963 kam Sohn Ingolf zur Welt (Maurer). Beide haben indessen für drei Enkel gesorgt. 1965 zog die kleine Familie auf den elterlichen Hof von Horst Rößner. Annemarie Rößner arbeitete nun in der Feldbaubrigade der LPG, versorgte nebenher ihren Mann, ihre Kinder, den kranken Schwiegervater und als Nebenerwerb der Familie das Viehzeug auf dem eigenen Hof. „Die Rübenreihen waren einen Kilometer lang, die Sonne brannte, wir konnten nichts trinken, kein Schatten...und haben das ausgehalten“, erzählt sie und dass die private Wirtschaft zusätzliches Geld einbrachte und damit der neue Hausbau finanziert werden konnte. Schwere Arbeit (bis zum Eintritt in die Rente mit 55 Jahren), doch gute Kollegialität, Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe sorgten trotz allem für Freude am Schaffen und rückblickend für gute Erinnerungen. Die Infrastruktur war noch in Ordnung. Es gab alles auf dem Land: Von der Schule, über Einkaufsmöglichkeiten bis hin zur Gaststätte und medizinischen Versorgung. Heute ist das anders. Selbst der letzte Briefkasten wurde indessen noch abgeschraubt, berichtet sie davon. Man ist auf ein Auto bzw. fremde Hilfe angewiesen, will man weiter in der Gemeinde leben. Doch weg will sie aus der Region nicht. Sie ist hier geboren, hier aufgewachsen, hat ihr Leben hier verbrachte, ist mit allem vertraut und stolz auf das Geschaffene. Deshalb ist es ihr wichtig lange gesund und eigenständig zu bleiben. Noch heute fährt sie mit dem Fahrrad, verrichtet Arbeiten im Garten, hegt und pflegt ihre Blumen. Mit Gleichaltrigen und auch mit anderen Witwen teilt sie gerne ihre freie Zeit. Ähnliche Lebensläufe, ähnliche Erfahrungen und ähnliche Leidenswege verbinden eben und soziale Kontakte halten den Geist fit.
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