MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Marlies und Dieter Braksiek
„Die Kunst des Lebens besteht darin, jung zu sterben – und das in einem hohen Alter.“ (Verfasser unbekannt)
Teilemacher
Gerber
Döbelner Str. 31
01683 Nossen
Fon: 035242 / 70315
Dieter Brasiek (geb. 1942 in Sprottau / Schlesien) entstammt einer großen Landwirtschaftsfamilie (erst Posen, 100 ha / verlassen nach 1.Weltkrieg, dann in Schlesien). Drei Jahre war er alt, als man der Familie sagte: „Die Russen kommen, ihr müsst raus!“ Mit Pferd und Wagen ging es los und zurück, als es hieß: „Die Russen sind nun durch“. Letztendlich musste die Familie die Heimat dann doch endgültig verlassen. Der Vater war im Krieg. Er kehrte erst nach Kriegsende zurück und fand über das Rote Kreuz zu seinen Angehörigen. 1948–1956 besuchte Dieter Braksiek die Schule in Nossen, wäre danach gerne Zimmermann geworden. Doch stattdessen erlernte er den Gerber-Beruf in dem privaten Meisterbetrieb Gerberei Müller Nossen. Sein gesamtes Berufsleben verbrachte er in diesem Betrieb. Im Jahr 2002 ging er in den Ruhestand, war jedoch bis 2017 noch geringfügig weiter beschäftigt. Er würde sich immer wieder für diesen Beruf entscheiden, sagt er. Die vielen verschiedenen Arbeitsgänge ließen Eintönigkeit nie aufkommen. In Spitzenzeiten waren über 70 Mitarbeiter in der Gerberei beschäftigt. In der Wendezeit waren nur noch halb so viele beschäftigt. Doch alle Wirren wurden überstanden und der heutige Geschäftsführer der Sämischgerberei richtet seine Aktivitäten darauf, dass die alte Handwerkskunst weiter bestehen bleibt.
Marlies Braksiek (geb. Schroth) wurde 1950 als Tochter einer Näherin und eines Bergmanns in Nossen geboren. „Wir hatten eine sehr schöne, behütete Kindheit“ erinnert sie sich dankbar an ihre Eltern und das Aufwachsen mit ihrer Schwester. Nach der 8. Klasse lernte sie im VEB Noremat Nossen, wurde Teilemacherin. Sie blieb bis zur Wende dort beschäftigt und war dann zwei Jahre bei der Stadtverwaltung. Einem Jahr Arbeitslosigkeit folgte die Arbeit im Kloster Altzella, wo sie für den ungarischen Künstler, Philosophen und Kulturaktivisten Batuz Bütten-Papier schöpfte, das in Workshops von Künstlern und Studenten der ganzen Welt verarbeitet wurde. Nach zehn Jahren erneut arbeitslos geworden, konnte Marlies Brasiek nochmal fünf Jahre für die Stadtverwaltung im Sozialbereich tätig werden. Mit 60 Jahren ging sie in die Rente. Dieter und Marlies Braksiek sind seit 1974 verheiratet. Tochter Jana wurde 1976 geboren, hat Fleischfachverkäuferin gelernt. Sohn Sven kam 1981 zur Welt und wurde Maurer. Zwei Enkel komplettieren indessen die Familie. Die Brasieks verbringen nun gemeinsam ihre Zeit, kümmern sich um ihre Schafe und ihre sechs Pferde und führen manchmal noch privat Kremserfahrten durch. Die Eheleute lieben ihre Tiere und empfinden die Arbeit für deren Betreuung nicht als solche, sondern eher als freudvolle Beschäftigung. „Wir brauchen unsere Tiere und unsere Bewegung. Wir gehen früh an die Luft und kommen am Abend erst wieder rein“ beschreiben die beiden ihren Tagesablauf heute. Sohn Uwe aus erster Ehe von Dieter Brasiek gehört zur Familie genauso wie die beiden gemeinsamen Kinder und auf alle zusammen sind die Eheleute stolz. Gesund und gefühlt jung wollen beide noch lange bleiben, denn durch den Verlust der eigenen Eltern ist ihnen bewusst geworden, dass das Leben jetzt für ihre Generation endlich geworden ist.