MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Günter und Hildegard Braune
„Man weiß selten, was Glück ist, aber man weiß meistens, was Glück war.“ ( Francoise Sagan)
Hallmeyerstr. 5
06844 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 2207716
„Ohne dich wäre mein Leben so nicht möglich gewesen...., ohne dich wäre ich hilflos.... ich kann mir ein Leben ohne dich nicht vorstellen...“ sagt Günter Braune liebevoll zu seiner Frau Hildegard (geb. 1934, Kindergärtnerin, Kindergartenleiterin, Rehabilitations-Pädagogin, ehrenamtliche Arbeit im Lebenshilfe-Verein) zum Gesprächsbeginn und zählt gleich auch noch stolz ihre beruflichen Erfolge auf. Vor allem aber weiß er um sein Glück im Unglück, denn sein Weg war nicht leicht: 1934 geboren, begann eigentlich alles ganz verheißungsvoll. Trotz Krieg beschreibt er eine sorgenfreie Kindheit, dass die Heimatstadt von Bombardierungen verschont blieb und 1940 seine Einschulung erfolgte. Ranzen, Schiefertafel, Griffel und Schwamm waren nun sein Schülerwerkzeug, wurden im Laufe der ersten Jahre von Federhalter und Tinte abgelöst. Mittlerweile Schüler der Hauptschule erlebte er das Ende des faschistischen Systems mit sowjetischer Besetzung und Beginn der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung. Als Arbeiterkind und mit sehr guten schulischen Leistungen und nötigem Ehrgeiz konnte er die Oberschule besuchen – unterstützt mit einem Stipendium, denn die Mutter war geringverdienend, der Vater noch in Kriegsgefangenschaft. Nach vier Jahren beendete er die Oberschule mit dem Abitur und dem Prädikat „Gut“. Verschiedene Überlegungen für ein anschließendes Studium bewegten ihn. Schließlich entschied er sich für ein Lehrerstudium im Unterrichtsfach Geografie. Mit der Zusage der Humboldt-Universität Berlin für ein Geografie-Studium in der Tasche trat er die wohlverdienten Ferien an, nicht ahnend, dass sich in diesen alles ändern sollte. Was als fröhlicher Radausflug mit Freunden begann, endete mit einem doppelten Schädelbruch und der Prognose der Ärzte, das kaum überleben zu können. Dass er nach monatelangem Krankenhausaufenthalt die Klinik „nur“ mit dem abgestorbenen Sehnerv eines Auges und wenigen Lähmungserscheinungen verlassen konnte, grenzte an ein Wunder. Er nutzte dieses, um sich in das Leben zurück zu kämpfen. Den reservierten Studienplatz hatte er nicht nutzen können, trat ein Jahr später an der Pädagogischen Hochschule Potsdam seine Ausbildung an. 1958 verließ er die Einrichtung als Lehrer für Geografie und Geschichte, wurde an einer POS in Dessau jedoch nach vorhandener Notwendigkeit eingesetzt und fand sich so zusätzlich zu seinen Fächern als Lehrer für Deutsch, Gegenwartskunde und als Klassenlehrer einer Problemklasse wieder. Er verzagte wieder nicht, gab nicht auf, erlangte Erfolge. 1961 nahm er das Angebot zum Wechsel an die Erweiterte Oberschule an. Er führte an dieser als Klassenlehrer Schüler zum Abitur, arbeitete zudem als Fachberater für Geschichte bis 1989 und außerunterrichtlich als Leiter der AG „Junge Historiker“. Nach der Wende nahm er die geschaffene Sonderregelung für 58-jährige Lehrer wahr: Bis zum 60. Lebensjahr Altersübergangsgeld zu beziehen und dann in die Rente zu gehen. Nach 33 Dienstjahren beendete der zum Oberlehrer, Studienrat und Oberstudienrat berufene Günter Braune seine Lehrertätigkeit. Garten und Radtouren bereicherten nun sein Leben, bis auch der Verlust der Sehkraft des zweiten Auges das nicht mehr zuließ. Im Sommer 2008 erlitt das bis dahin noch gesunde rechte Auge einen Sehnerv-Infarkt und verlor bis auf 3 % seine Sehfähigkeit. Bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen sind nur noch hell und dunkel zu unterscheiden. Er wäre nicht er selbst, würde er nicht trotzdem aktiv bleiben, so heute im Blinden- und Sehbehinderten-Verband. Tochter Annette, Sohn Steffen, ein Enkel- und ein Urenkelkind erfreuen die Eheleute.