MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Petra Bracke
Den Beruf erst nicht gewollt und dann darin aufgegangen
04849 Bad Düben
1942 geboren und 1958 die 10. Klasse beendet, wollte das junge Mädchen Petra keinesfalls den Vorschlag der Eltern, in der Sparkasse ihre berufliche Laufbahn fortzusetzen, akzeptieren. Sie hielt das für viel zu langweilig und ließ sich 1958–1951 zur Drogistin in der Firma Schöne Bitterfeld ausbilden. Doch am späten Abend bei Wind und Wetter, bei Nebel und Dunkelheit auf den Bus nach Bad Düben zu warten –manchmal auch umsonst – war nicht dazu angetan, die Liebe zu der Tätigkeit in Bitterfeld zu vertiefen. Sie ließ sich überzeugen doch zur Sparkasse zu wechseln, fing als Maschinenbuchhalterin an. Das Angebot, ihre angelernten Tätigkeiten mit theoretischem Wissen zu hinterlegen, nahm sie gerne an und absolvierte 1965–1968 ein Fernstudium zum Bankkaufmann (Abschluss 08.03.1968). Berufsbegleitend, was für die junge Frau bedeutete, Arbeit, Familie (sie hatte 1961 Dieter Bracke, Kfz-Schlosser geheiratet und 1967 Tochter Annett geboren) und Ausbildung unter einen Hut zu bringen. Die Zentralisierung und die schnelle Änderung der Technik prägten in den Folgejahren die Sparkassen. Viel wurde nach Leipzig verlegt, die ersten Geldautomaten hielten Einzug, Geldkarten wurden eingeführt. Für Petra Bracke Anlass, sich selbst weiterzuentwickeln, um künftigen Aufgaben gewachsen zu sein. 1973–1974 absolvierte sie an der Fachschule Gotha eine Weiterbildung zum Leiter für Sparkassen-Zweigstellen und übernahm kurz vor der Wende 1989 die Filiale Bad Düben. Dass die Wahl auf sie als Nichtgenossin fiel ist für sie heute noch interessant, genauso, wie die Bewilligungen ihrer Anträge auf Verwandtenbesuche in der BRD. Ganz jung in der neuen Aufgabe, hatte sie kurz darauf eine Unmenge zu bewältigen: Die Wiedervereinigung brachte nicht nur den Geldumtausch mit 100 m Schlange am Schalter mit sich, sondern eine Vielzahl an Fragen der Kunden. „Und wir wussten doch auch nichts...“ beschreibt sie heute die schwierige Zeit. Arbeitszeiten von 7.00–20.00 Uhr wurden Notwendigkeit und die eigene Information und Weiterbildung nebenher war unumgänglich. „Sozusagen über Nacht mussten wir begreifen, was sind Aktien und Wertpapiere, wie geht das mit den Krediten....“, erzählt sie. Und dass sie in all der arbeitsreichen Zeit dazu einen Studiengang (Fernstudium) zum Bankkaufmann nach westdeutschem Recht an der Sparkassenakademie Bonn (1990–1993) belegte. „Am Abend dachte ich, gleich gibt es einen Knall und mein Kopf ist geplatzt...“ beschreibt sie heute die Anforderungen der damaligen Zeit, die sie neben der Familie zu bewältigen hatte. Sie hat den Aufbruch in die neue Gesellschaft nicht nur erlebt, sie hat ihn an ihrem Arbeitsplatz mit gestaltet. Im Gedächtnis geblieben sind dabei vor allem der Zusammenhalt und die Gemeinschaft, die herrschte und ohne die solche Aufgaben gar nicht zu meistern gewesen wären. Das Gefühl, Ihre Mitarbeiter hinter sich zu wissen, gab ihr Kraft. Ebenso, dass sie immer gradlinig auftreten, alles aussprechen, alles hinterfragen konnte. Sie war nicht bequem, sie war nicht blind linientreu, sie hat sich Akzeptanz erarbeitet! Es macht sie heute traurig zu sehen, wie Menschen ohne Arbeit langsam abgleiten. Und sie ist glücklich, dass die eigene Familie den Zusammenhalt so pflegt. 2002 – mit 60 Jahren – ist sie in die Rente gegangen und genießt zu leben, wie sie es möchte. Sie hält sich dabei mit dem wöchentlichen Fitnesstraining gesund. Die Liebe zur Arbeit ist geblieben und so verbringt sie 1–2 Stunden täglich am Computer und „spielt Sparkasse“, wie sie liebevoll ihre Arbeit umschreibt das eigene Mietshaus und seine Verwaltungsvorgänge zu managen. Und wenn es ihr doch einmal langweilig wird, packt sie die Reiselust. Südamerika und Südafrika, viele Länder in Europa, Tessin und der Schwarzwald waren bisher ihre Ziele.