MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dieter und Doris Rüge
Protokoll zweier Leben
Meister der volkseigenen Industrie
Gerichtsprotokollantin
Erich-Weinert-Str. 27
04651Bad Lausick
Beim Tanz am Himmelfahrtstag des Jahres 1955 hatten sie sich kennen gelernt, Briefe gingen hin und her, als ihn die Abenteuerlust für fast drei Jahre in den Westen Deutschlands trieb, bis die Liebe siegte und aus dem Rückkehrer 1960 der Ehemann fürs Leben wurde. 1937 war Dieter Rüge in Bad Lausick zur Welt gekommen. 1951 schloss er die Schule mit der 8. Klasse ab. Seit seinem 11. Lebensjahr war er im Fußball aktiv. Diesem Sport blieb er mit einer Unterbrechung von drei Jahren, in denen er als Rollsporttrainer tätig war, bis zum Altherrenalter treu. Im VEB Kombinat Espenhain (Braunkohleindustrie) fand er eine Ausbildungsmöglichkeit als Schlosser. Das Ende der Lehrzeit konnte abgekürzt werden, da er sich werben ließ, in Wünsdorf bei Berlin für die Panzerreparaturen der Sowjetarmee eingesetzt zu werden. Zurück in Bad Lausick arbeitete er zweieinhalb Jahre im Silikatwerk, dann folgten Wanderjahre zwischen Niedersachsen und Baden-Württemberg. Berufliche Zwischenstationen waren das Bahnreparaturwerk Engelsdorf und das Kraftwerk Thierbach, doch das Fahrzeuggetriebewerk in Liebertwolkwitz wurde dann beruflich prägend. An der Betriebsakademie in Espenhain konnte er dafür den Abschluss als Meister der volkseigenen Industrie erwerben. Als der leistungsstarke Betrieb 1990 privatisiert wurde und fortan als Zahnradwerk Leipzig GmbH bekannt war, blieb seine Erfahrung gefragt, bis er im Jahr 2000 in den Ruhestand ging.
Als Doris Höhn wurde seine spätere Ehefrau 1938 in Stargard (Pommern) geboren. Als die Front nähe rückte, erfolgte im Januar 1945 die Flucht nach Mittelsachsen, wo ihre Familie in Otterwisch Aufnahme fand. 1952 schloss sie die Schule mit der 8. Klasse ab, hatte besonders gute Leistungen in Deutsch, denn Lesen machte ihr stets viel Freude. Selbst Ziegenhüten ließ sich mit Lektüre verbinden. Ihre Ausbildung bei der Reichsbahn im nichttechnischen Bereich zum Betriebs- und Verkehrseisenbahner dauerte drei Jahre. Dazu nahm sie privat Unterricht in Stenographie. Nach der Lehre ging sie zum Gemeindeamt Otterwisch, wurde in den Zeiten, als Waren noch rationiert waren, für die Ausgabe der Lebensmittelkarten zuständig. Als diese Aufgabe entfiel, wechselte sie zum VEB-Sprio-Werke nach Holzhausen. Doch als die Kinder kamen (1961 Sohn Gundolf, 1968 Tochter Ina), war der Arbeitsweg ungünstig. Da wurde gerade eine Protokollantin für das Gericht in Bad Lausick gesucht. Auch wenn sie zwischendurch eineinhalb Jahre in den Silikatwerken als Sekretärin tätig war (damit war endlich eine eigene Wohnung verbunden), machte sie es glücklich, als sie wieder beim Gericht anfangen konnte, neben der Protokolltätigkeit Aufgaben in Registratur, Rechtantragsstelle, sogar als Gerichtsvollzieherin übertragen bekam. Während ihrer Tätigkeit im Silikatwerk fuhr sie Mittwochs nach Espenhain, machte ihren Berufsabschluss als Industriekaufmann. Sie blieb so lange Jahre beim Gericht, bis 1998 der Ruhestand wohlverdient war. Vier Enkelkinder und zwei Urenkelinnen gehören zum Familienschatz.