MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Sieglinde Rüstig
Stets aktiv – auch für andere
Rentnerin Hadubrandweg 29 12683 Berlin Fon: 030 / 5144712
In Rehfeld, nordöstlich von Torgau, wurde Sieglinde Rüstig 1938 geboren. In der Region besuchte sie auch ab 1944 acht Jahre die Volksschule. Dort sang sie im Schulchor mit, war in der Volkstanz- und Laienspielgruppe aktiv und nahm auch an sportlichen Wettkämpfen im Geräteturnen teil. Bereits als FDJlerin fuhr sie Ende Mai 1950 zum 1. Deutschlandtreffen nach Berlin. 1952 begann Sieglinde Rüstig bei der Firma Reiss in Bad Liebenwerda ihre dreijährige Lehre als Feinmechanikerin. Nach ihrer Heirat mit Heinz 1956 zog sie gemeinsam mit ihrem Sohn zu ihm nach Berlin. Als technische Schreibkraft begann Sieglinde Rüstig im Kabelwerk Oberspree (KWO) zu arbeiten. Dort erhielt sie auch einen Krippenplatz. Später arbeitete sie im Prüffeldlabor. „Es wurden alle Teile geprüft, die zur Weiterverarbeitung vorgesehen waren. Denn die Kabel für Radio und Fernsehen mussten 100-prozentig in Ordnung sein“, erzählt Sieglinde Rüstig. Der Betrieb delegierte sie 1960 zum Studium am Institut für Lehrerbildung in Berlin-Köpenick. Nach drei Studienjahren wurde sie in Berliner Schulen als Lehrerin eingesetzt. Beim 3. Deutschlandtreffen 1964 lernte Sieglinde Rüstig einen westdeutschen Delegierten kennen. Sie pflegten auch später noch einen regen Gedankenaustausch. Doch das passte nicht wirklich ins ideologische DDR-Bild, sodass sie 1966 den Schuldienst verlassen musste. Als Sachbearbeiterin in der Berufsschule der Berliner Werkzeugfabrik (BWF) Marzahn fand Sieglinde Rüstig eine neue Arbeitsstelle. Durch die Auslagerung der Berufsschule wechselte sie zum Volkseigenen Betrieb ELPRO und war dort für den Einkauf in der Materialwirtschaft zuständig. Später betreute sie die Unterlagen der Monteure, die im Ausland eingesetzt waren. Krankheitsbedingt wechselte Sieglinde Rüstig zum Industrieanlagen-Export. Dort war sie für Planung und Bilanzierung zuständig. Später wurde sie Sekretärin eines Bereichsleiters im zuständigen Ministerium für Schwermaschinenbau. Als ihr Sohn schwer erkrankte, blieb sie zu Hause, um ihn zu betreuen. Ihr erneuter Berufseinstieg erfolgte bei der Orthopädietechnik. Dort betreute sie ebenfalls den Planungs- und Bilanzierungsbereich – auch über die Wende hinaus. 1995 ging Sieglinde Rüstig in Rente. Seit 1989 betreut sie ihren behinderter Enkel mit im Haushalt. Während seiner Schulzeit engagierte sie sich ehrenamtlich im Elternaktiv. Ehrenamtliches Engagement ist für Sieglinde Rüstig eine Herzensangelegenheit. Denn bereits seit den 70er Jahren betreut sie ältere Mitbürger in der Volkssolidarität. Inzwischen gehört sie zum Vorstand der Volkssolidaritätsgruppe Biesdorf. Auch in der Revisionskommission der Siedlergemeinschaft bringt sich Sieglinde Rüstig aktiv ein. An Festen und Feiertagen ist sie gern mit der Familie zusammen. Nachdem ihr Heinz 1992 verstarb, wünscht sich die Wahlberliner von ganzem Herzen „noch einmal einen Partner, der zu mir passt“. Zweimal monatlich geht sie tanzen. Ansonsten verbringt sie viel Zeit im Garten und beim Lesen. Insgesamt schaut Sieglinde Rüstig zufrieden auf ihr Leben. „Ich bin stolz auf das Geschaffene“, betont sie.