MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Karin Rudolph
Als „Christel von der Post“ auch Ortsbürgermeisterin
Facharbeiter für EDV
Im Boden 1
99887 Herrenhof
Verantwortung hat sie immer gern übernommen. Ehrgeizig wie Karin Rudolph stets war, hat die gebürtige Thüringerin viel aus ihrem Leben gemacht. „Ich musste mich jahrzehntelang beweisen“, schaut die Mutter von zwei erwachsenen Kindern (Dagmar, geboren 1980; Rüdiger, geboren 1988) auf die Zeit zurück, als sie noch berufstätig war. Seit 1979 verheiratet, wohnt Karin Rudolph mit ihrem Mann Roland in Herrenhof in ihrem Eigenheim, erbaut von 1984-1986. Zur Welt gekommen 1955 in Gotha, verbrachte sie als kleines Mädchen die ersten sechs Jahre ihres Lebens in einem Kinderheim. „Ich hatte kein gutes Elternhaus“, sagt Karin Rudolph, die gerne Lehrerin geworden wäre. Doch nach dem Willen ihrer Mutter und des Stiefvaters sollte sie nur acht Jahre zur Schule gehen und danach möglichst schnell Geld verdienen. Ihrem Klassenleiter hatte sie es zu verdanken, dass sie als sehr gute Schülerin zehn Jahre lernen durfte. Er hatte dies dem Elternhaus empfohlen. Danach lernte Karin Facharbeiterin für Datenverarbeitung. Ihr Ausbildungsbetrieb, der VEB Datenverarbeitung Finanzorgane Gotha übernahm sie anschließend auch und sie blieb dort 16 Jahre. Karin Rudolph hatte sich bis zum Organisator hochgearbeitet und übernahm Verantwortung für gewisse Programmabläufe. 1989 hörte sie bewusst auf, um ihren kleinen Sohn, der als „Frühchen“ auf die Welt kam, zu betreuen. Zurückzukehren, wie sie es vorhatte, ging nicht – die Wende kam dazwischen und der Betrieb wurde aufgelöst. So begann eine neue berufliche Laufbahn bei der Post, in der Poststelle Herrenhof. Stundenweise arbeitete Karin Rudolph nun in der Poststelle. Kurz danach setzte das Sterben der Post-Filialen ein – auch in Herrenhof. Als „Christel von der Post“ entschied sie sich für den Bereich Briefdienst und arbeitete als Zustellerin. Daraus wurden 26 Jahre. 1994 wurde Karin Rudolph zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin von Herrenhof gewählt. Sie trat als Parteilose für die Natur- und Heimatfreunde Herrenhof e. V. an und blieb 16 Jahre lang im Amt. Ihr Verdienst ist es, dass der Kindergarten in Trägerschaft der Gemeinde blieb und nicht der Kirche übergeben wurde. 1992 wurde sie Leiterin der Tanz- und Trachtengruppe von Herrenhof. Heute fragt sich Karin Rudolph, die 2016 aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeit bei der Post beendete, wie sie das alles geschafft hat: Arbeit, Ehrenamt, Haus, Hof, Kinder und noch drei Tanzgruppen? „Aber es hat mit Unterstützung ihres Mannes funktioniert. Heute leitet Karin Rudolph nur noch eine zehnköpfige Frauen-Tanzgruppe. Sie liebt es, in ihrem Garten Pflanzen zu ziehen und genießt die Zeit im Wintergarten oder auf der Terrasse ihres Hauses. Karin Rudolph, deren Kinder früher auch in der Trachtengruppe unter ihrer Leitung tanzten, wünscht sich nun ein Enkelkind. Sie kann gut mit Kindern umgehen und hat bis heute viele Kontakte zu den Tanzkindern, die heute Erwachsene sind, die sie sich ebenso wie ihren großen Freundeskreis bewahren möchte. Befragt nach einem Vorbild, nennt die Frau der klaren Worte prompt Tina Turner. „Eine Frau, die viele Probleme von Kind an zu bewältigen hatte und sich durch Leistung zu einem Weltstar entwickelte“, sagt Karin Rudolph.