MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dr. nat. Rolf Runge
Im Wettlauf mit der Zeit
Selbstständiger Sachverständiger für Umwelt und Chemie
Pilgramer Str. 185
12623 Berlin
Geboren 1960 im anhaltinische Zerbst, dort auf dem Lande in großer Familie mit drei Generationen an einem Ort aufgewachsen, zur Schule gegangen, Glück gehabt und Abitur machen dürfen und einen Studienplatz in Berlin bekommen. Dann ging der „Ernst des Lebens“ los – Grundwehrdienst in Stahnsdorf. Neben den begleitenden Unannehmlichkeiten, doch jede Menge geschwejkt. Die Quittungen dafür waren einerseits immer wieder Ausgangs- und Urlaubssperren und andererseits der Erhalt der eigenen Persönlichkeit.
1980 dann das Chemiestudium an der Humboldt-Uni. Was waren da anfangs für Lücken zu füllen? Thermodynamik, in mancher Klausur wußte ich nicht mehr als den Namen zu schreiben, am Horizont winkte der Rausschmiß, durchgekämpft. Je weiter sich die Details zu einem Bild formten, desto besser hat man alles verstanden. Resultat war eine Promotionsstelle als Seminargruppenassistent bei Prof. Dr. Wenschuh. Dann also auf der anderen Seite sitzen und Studenten, die ganz frischen, quälen. Das war die beste Lehrzeit, den Lehrstoff in Seminaren erklären, Praktika beaufsichtigen, sich vorbereiten auf all die möglichen und unmöglichen Fragen, selbst diesen Stoff prüfen und dann als Beisitzer in den großen Prüfungen bei Prof. Dr. Hass lernen, wie man Leute ans Ziel lenkt. Nebenbei die eigene Forschungsarbeit voranbringen, die ich dann am 15. November 1989, 6 Tage nach der Maueröffnung, erfolgreich verteidigen konnte. Das war die Uni, privat war ich inzwischen verheiratet und hatte zwei Söhne bekommen.
Was war das für eine unsichere Zeit, keiner wußte wie es weitergeht. In die Welt hinaus konnte man ja nun, aber was tun, wenn die Familie am Heimatort hängt? In existenziellen Wagnissen war man ja als DDR-Bürger nicht geübt. Also am Ort bleiben und sehen was möglich ist. Hier ein Job für ein Jahr, dort für ein weiteres, dann die Herausforderung, ein geologisches Unternehmen, das wurde interessant und war mit ganz neuen Aspekten verknüpft. Praktische Arbeiten direkt an der Materie, viel lernen von der Natur und alten Hasen, auswerten, räumliche und zeitliche Zusammenhänge betrachten, das war nach meinem Geschmack. Das ging bis1997 und dann sagte der Chef, daß Schluß sei.
Ein halbes Jahr Bewerbungen geschrieben, man war überqualifiziert, externe Mitarbeit gerne, alles solche Ausreden. Es gab aber auch Anfragen von ehemaligen Kunden aus der Zeit als Angestellter, woher sie denn nun die bisherigen Leistungen bekommen können? Also noch etwas über Selbständigkeit gelernt und mich dann am 1. April 1998 ins nicht ganz kalte Wasser gestürzt, einige Kontakte und Aufträge waren ja vorhanden. Mit dem eigenen Schwung auch gleich noch einen ehemaligen Kollegen mitgerissen und mit weiteren Gleichgesinnten dann ein lockeres Netzwerk von Geben und Nehmen aufgebaut. In dieser Zeit habe ich viele interessante Objekte bearbeitet, ein sehr breites Spektrum Menschen kennengelernt, mit denen man unterschiedliche Wege gehen konnte und kann. Diese Mischung aus körperlicher Arbeit bei gleichzeitigem Überdenken der dabei angetroffenen und analysierten Resultate, das Grübeln über die Machbarkeit von neuen Gedanken, die Verbesserung von Bestehendem und nicht zuletzt das Schaffen von Resultaten mit dem eigenen Kopf und den eigenen Händen, macht das Leben interessant. Und wenn man sich davon noch ernähren kann, das Dach über dem Kopf finanziert und den Kindern den Weg ins Leben über Studien ermöglicht, dann ist das schon recht zufriedenstellend. Jetzt ist es langsam an der Zeit, das Leben aktiv in Bahnen zu lenken, die dem Tribut des Alterns gerecht werden und trotzdem weiterhin ein erfülltes Leben bescheren. Dazu gehören persönliches Glück mit der Lebenspartnerin und der Familie, interessante Arbeit und auch Hobbies.