MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christa Runge
„Mensch bedenke das Ende“
Medizinische Laborassistentin i. R.
06780 Zörbig
Geboren 1939 im Sudetenland, war die Kindheit der kleinen Christa überschattet von den Folgen des Krieges. Eine kleine Bauernwirtschaft ernährte die Familie, doch 1945 musste die Mutter mit den drei Kindern und der Großmutter über Nacht die Heimat verlassen. Der Vater war in Kriegsgefangenschaft, folgte später der Familie, verstarb jedoch bald an den Folgen seiner Verletzungen. Bei einem Bauern in Thüringen untergekommen, mit fünf Personen nicht willkommen, ging die Familie nach Zörbig zu einem Onkel. Die junge Christa war indessen eingeschult – ohne Zuckertüte, die war nicht möglich. 1953 beendete sie ihre Schulzeit mit der 8. Klasse, lernte im Chemiekombinat Bitterfeld den Beruf Chemielaborantin. Im Bereich Forschung tätig und mit primitivsten, oft selbstgebauten Versuchsanlagen operierend, unterlag sie Unfällen verschiedener Art. Sie trug Verbrennungen, Verätzungen, Glassplitter-Verletzungen davon, stand einmal fast in Flammen. Ihre Umsetzung in einen anderen Bereich gab der Gesundheit der Rest, denn die Lösungsmittel griffen nun auch noch die inneren Organe an. Ihre Mutter verhalf ihr zu einer neuen Arbeitsstelle in der Röntgenabteilung des Krankenhauses, die sie zwei Jahre ausübte. Die Hochzeit 1961 mit Walter (Ing. für Kraftwerksanlagenbau, verstorben 2012) und die Geburt des ersten Sohnes Wolfgang 1962 (Theologe, Psychologe, Heilpraktiker) waren Anlass, sich der jungen Familie ganz zu widmen und deshalb die Arbeit aufzugeben. 15 Jahre lang währte diese Auszeit, denn die Söhne Georg (geb. 1964, Monteur im Rohrleitungsbau), Winfried (geb. 1967, Theologe, Pfarrer), Johannes (geb. 1971, Beamter bei der LVA Halle) und Sebastian (geb. 1973, Musiklehrer) bereicherten das Familienglück und Christa Runge war es wichtig die Kinder im christlichen Glauben und zu emotionalen, ihre Voraussetzungen nutzenden Menschen zu erziehen. Alle fünf Söhne schlossen ihre Schulbildung mit der Note „sehr gut“ ab, alle sind sehr musikalisch und beruflich erfolgreich – Christa Runge ist mit Recht stolz darauf, das mit bewirkt zu haben. Der Hauskauf der Familie ermöglichte bessere Lebensumstände, forderte zuvor jedoch Rekonstruktion und umfassende eigene Arbeit dabei. 1977 nahm Christa Runge die Arbeit im Labor der Poliklinik Zörbig auf. Den geforderten Abschluss der 10. Klasse auf der Abendschule und das vierjährige Studium an der Karl-Marx-Universität Leipzig absolvierte sie mit Bravour. 1984 Medizinische Laborassistentin, wurden nun auch Bereitschaftsdienste von ihr gefordert. Als zudem noch Intrigen das Arbeitsklima verschlechterten, nutze sie nach 10 Jahren das erhaltene Angebot in der Kinderkrippe die Arbeit aufzunehmen. Aus einer Schwangerschaftsvertretung wurde ein unbefristeter Arbeitsvertrag und mit ihm sieben Jahre Tätigkeit bis zur Wende. Jetzt begann der Stellenabbau, von dem auch sie 1994 betroffen wurde. Ein Jahr war sie arbeitslos, ein Jahr ABM folgte und danach wieder Arbeitslosigkeit bis zur Rente. Die Arbeitslosigkeit konnte zur Pflege der Mutter (zwei Jahre) genutzt werden. Dazu kamen 1997, nach Schlaganfall des Ehemannes mit Schwerstbehinderung, 15 Jahre Pflege desselben. Ihre Ruhe und Zuversicht hat sie nie verloren. Die große Familie und die katholische Kirche gaben ihr Halt. Engagiert im Kirchenchor (1953–1976), für neun Enkel immer ansprechbar und mit ihrer Lieblingsbeschäftigung „Reisen“, bleibt die Zeit bei ihr nie ungenutzt. Die Wende war für sie ein Gewinn, konnte sie doch nun auch endlich die Verwandtschaft in den alten Bundesländern besuchen. Sie lebt bewusst und empfindet jeden freundlichen Blick als Glück.