MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Eberhard und Traude Rotter

Ein bewegtes und bewegendes Leben

Eberhard und Traude Rotter

Am Gutspark 25
04316 Leipzig / Mölkau
Fon: 0341 / 6513361

Eberhard Rotter, 1940 in Leipzig geboren, erlebte schwere Nachkriegszeit, die Schulzeit mit Pappranzen und Igelittschuhen aber auch unbeschwerte Kindheit mit Spielen auf der Straße und auf Bäume klettern. 1954 Abschluss der 8. Klasse, Lehrbeginn als Maschinenschlosser mit Facharbeiterabschluss 1956. Dem Studienwunsch seiner Eltern folgte er nicht. Berufliches Rüstzeug erwarb er in verschiedenen Firmen. Die Lohnunterschiede 1959 im Handwerk, 1,76 und 3 Mark / Std. im VEB Sprio Werke Holzhausen machten den Wechsel leicht. 1960 lernte er die Frau fürs Leben kennen. Im Oktober 1961– nach Mauerbau und FDJ-Aufgebot (schützt unser sozialistisches Vaterland) – erfolgte seine Einberufung zur NVA bis 1963. Ereignisse zur Kuba-Krise, Einsätze zur Ernte und in der Braunkohle prägten diese Zeit. Mit Heirat im selben Jahr und Sylvia als 1. Kind kommt es zur Familiengründung. Die Wohnungssuche gestaltete sich kompliziert. Torsten (1967) und Andrè (1979) ergänzten das Familienglück. Alle drei absolvierten die Mittelschule mit Auszeichnung, erlernten die Berufe Textilfacharbeiter mit Abitur, Instandhaltungsmechaniker und Elektronikfacharbeiter mit Abitur, dank der führsorglichen Betreuung ihrer Mutter, die mangels Kindergarten-Plätzen zu Hause bleiben musste, weil Friseuse kein „wirtschaftlich wichtiger Beruf“ war. 1968–1971 absolviert Eberhard Rotter einen Handwerksmeisterlehrgang zum Schlossermeister für die spätere Selbstständigkeit. Die Verstaatlichung vieler PGH und privater Betriebe 1972 ließen schlechtes ahnen. Zudem war rechtlich der Wechsel eines Meisters vom VEB ins Handwerk verboten. Kaputtes Handwerk und kaputte Städte – gehörte das nicht irgendwie zusammen? So kehrte man 1976 das „Gesetz zur Förderung des Handwerks“ um. Eberhard Rotter konnte nun kündigen, „doch weder der Produktionsleiter noch der Kaderleiter oder der Werkleiter, nur der Parteisekretär kannte die Beschlüsse der SED und veranlasste die Kündigung. So war die Hierarchie in der DDR“, erzählt er. Die berufliche Erfüllung war die Übernahme der Schmiede 1977 in Liebertwolkwitz. Als 1-Mann-Betrieb, bis 1981 gesetzlicher Meisterlohn 1,88 M / Std. gegenüber 4,50 M im VEB. „Das war ein Lacher und ich musste leider von Anfang an gesetzwidrig handeln – schade,“ sagt er dazu. Zusätzlich unterlag er Preisanordnungen, Regelleistungspreisen und Planauflagen incl. Schrottsoll. Ehefrau Traude, geb. 1942 in Schlesien (Umsiedler zu sein ist wieder eine Geschichte für sich), durfte nicht als Mithelfende tätig sein. So blieb ihre Bürotätigkeit unbezahlt und für die Rente unberücksichtigt. „Kreativ und aktiv wurde der Unterhalt für die Familie bestritten: 13 Jahre bis zur Wende selbstständig und keinen Pfennig eingebüßt. Wir konnten den Betrieb zwar modernisieren doch die negativen Seiten des Kapitalismus wurden schnell Alltag. Unbezahlte Rechnungen, vorgegaukelte Konkurse, wir waren zu gutgläubig, die Machenschaften der sogenannten Investoren zu durchschauen. Wenn es noch eine Moral gäbe, brauchten wir uns über Zahlungsmoral nicht unterhalten. Durch falsche Finanzberater ist die Altersvorsorge auch noch pfutsch, doch wir hadern nicht,“ erklärt Eberhard Rotter. 2006 übergab er die Firma an Sohn Torsten, engagiert sich im Heimatverein und einer Gemeinschaft des Vereins „Völkerschlacht bei Leipzig 1813“ mit Vorführungen in der selbst eingerichteten, historischen Schmiede. Die Eheleute haben Freude an gemeinsamer Arbeit im Haus und Garten, einst mit Schafen, jetzt mit Bienen. Traude Rotter erwähnt noch die vielen guten Freunde. Die Goldene Hochzeit schon längst hinter sich lautet das Gesamtresümee: „Wir sind gesund, die Arbeit macht Spaß, zu Hause klappt alles. Zufriedenheit bekommt man nicht, selbst schaffen ist die Lösung.“
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