MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ruth Rother

Aktiv und kritisch im Leben stehen

Ruth Rother

Bruckdorfer Str. 2
06194 Zwintschöna
Fon: 0345 / 5900877

Ruth Rother verweist im Gespräch gern auf die hebräische Herkunft ihres Vornamens, der in der Übersetzung „Freundin“ heißt. Und im Gespräch lernt man dann auch einen aufgeschlossenen Menschen kennen, der gern und präzise aus seinem Leben erzählt. Ruth Rother wird am 16. August 1935 „hier in dieser Hütte“, wie sie sagt, also in dem Haus, in dem sie heute noch lebt, geboren. Bis heute ist sie eine Optimistin geblieben, die an anderen Menschen vor allem Offenheit und Ehrlichkeit schätzt. Sie lebt sehr gern in ihrer Heimatregion. Ihre Eltern sind einfache Menschen, der Vater arbeitet als Schlosser und ist Lehrmeister, die Mutter besorgt den Haushalt. Beide sind für Ruth Rother bis heute ein Vorbild geblieben. „Ich hatte, gemeinsam mit meinem fünf Jahre jüngerem Bruder Horst, eine sehr schöne Kindheit, trotz der Mangeljahre“ erinnert sie sich. Sie beendet die Schule im Jahr 1949, man bietet ihr an, die Oberschule zu besuchen und später das Abitur abzulegen, doch sie will nicht. Das Arbeitsamt schlägt ihr eine Ausbildung zur Bankkauffrau vor, die sie in den kommenden drei Jahren absolviert. Im Jahr 1957 heiratet sie ihren Mann Günter, den sie schon aus der gemeinsamen Schulklasse kennt. Insgesamt kommen drei Ehepaare aus dieser Klasse. Der Mann arbeitet als Karosseriestellmacher und geht später als Offiziersschüler zur Volksmarine. Nach einem Gespräch mit deren obersten Chef, Admiral Waldemar Verner, der ihm anbietet, wie mit dem eigenen Vater zu reden, wird er sofort mit dem Dienstgrad Maat entlassen, da er dessen Angebot wohl zu wörtlich genommen hat. Die Tochter Katrin kommt 1964 zur Welt und arbeitet heute als selbstständige Diplomingenieurin für Maschinenbau. Ruth Rother arbeitet später in der Abteilung Handel und Versorgung beim Rat des Kreises, weil sie hier mehr verdient. Es ergab sich dann die Möglichkeit, in ihrem Heimatort im VEG Champignonzucht Dieskau als Chefsekretärin zu arbeiten. Um nicht mehr auf die Reichsbahn angewiesen zu sein, nahm sie diese Tätigkeit auf. Nach der Geburt der Tochter bleibt sie drei Jahre zu Hause. „Das war mir wichtiger als Geld verdienen“, meint sie heute dazu. Danach arbeitet sie im gleichen Betrieb in der Buchhaltung. Später arbeitet sie in der Pflanzgutproduktion (kurz Brutabteilung genannt) als Abteilungsleiterin und schließt ein Studium als Agraringenieurin ab. Bis in das Jahr 1990 arbeitet sie in dieser Position, kann mit 55 Jahren in den Vorruhestand gehen und hat diesen Schritt nie bereut. Während ihres Berufslebens engagiert sich Ruth Rother beim FDGB, betreut die Gewerkschaftskasse ihres Betriebes und organisiert den Feriendienst für die Kollegen. Kurz vor ihrer Silberhochzeit erhält sie eine Auszeichnungsreise in den Schwarzmeerort Sotschi und muss empört zur Kenntnis nehmen, dass es keine Möglichkeiten gibt, dass ihr Mann sie begleitet. Während der Reise bemerkt sie, dass die Ehepartner der ausgezeichneten Leitungskader wie selbstverständlich dabei sind. Heute arbeitet Ruth Rother in einem Kreativzirkel in Zwintschöna mit, dabei sind ihr vor allem die Kommunikation und Geselligkeit sehr wichtig. Sie will ihr Leben noch bis zum Ende gesund und zufrieden verbringen können.
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