MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Barbara Roßmeier
Lebensweisheit und Streicheleinheiten für die Seele
Buchhändlerin
Arzthelferin i. R.
99867 Gotha
Wie viele kleine Mädchen träumte auch sie davon, Balletttänzerin zu werden, im Tutu über die Bühne zu schweben, sich nach eleganter Arabesque leichtfüßig im Kreise zu drehen und ihr Publikum zu verzaubern. Sie erhielt Unterricht, doch ihr Vater war nach schwerem Herzleiden verstorben, als sie 12 Jahre alt war. Mutter verfügte lediglich über Witwenrente, um ihre drei Kinder versorgen zu können und Ballettunterricht war nicht mehr finanzierbar. Doch die Mama gab eine wichtige Lebensweisheit mit auf den Weg: „Was du im Kopf hast, kann dir niemand mehr nehmen. Lerne, lerne, lerne!“
Geboren wurde Barbara Roßmeier 1941 in Gotha. Die Maxime der Mutter hatte den Ehrgeiz beflügelt und sie beendete die Oberschule mit Abitur.
Ehemann Klaus kannte sie schon aus der Schule. Das Paar heiratete 1959. Barbara Roßmeier war 18 Jahre alt und schenkte ihrer ersten Tochter Susanne das Leben. Bis die Quadriga voll war, folgten jährlich ihre Kinder Kristiane, Ulrike und Kai. Mit vier Sprösslingen gab es sehr viel zu tun und sie engagierte sich in der Schule der Kinder.
Diese brachten täglich Freunde mit nach Hause und so avancierte sie zur Herbergsmutter, denn ihr Heim wurde liebevoll „Jugendherberge Roßmeier“ genannt.
Klaus Roßmeier forcierte seine Karriere. Insgesamt 17 Jahre seines Lebens studierte er und erwarb mehrere akademische Titel.
Als die Kinder größer waren, wollte auch sie Berufserfahrung anhäufen. Während des explodierenden Weihnachtsgeschäftes begann sie als Aushilfe in der größten Volksbuchhandlung in ihrer Heimatstadt „Lessing“. Aus dieser kleinen Spritztour in die Welt der Bücher sollte sich langjährige Berufstätigkeit entwickeln. Sie blieb „Lessing“ treu und erlangte den Abschluss als Buchhändlerin.
Später wechselte sie in die kleinere Volksbuchhandlung „Dr. Theodor Neubauer“, welche neben Büchern auch Noten und Schallplatten offerierte und ein Antiquariat integrierte. Im Wendejahr blieb ihr lediglich die undankbare Aufgabe, das Licht auszuknipsen.
Zu dieser Zeit liefen Bewerbungsgespräche für angehende Arzthelferinnen. Auch sie bewarb sich. Durch das Geschäft war Barbara Roßmeier neben Fachkompetenz für ihre Freundlichkeit und Höflichkeit stadtbekannt. Sie konnte Seelen streicheln.
Ihre Bewerbung war von Erfolg gekrönt und sie absolvierte eine zweijährige Ausbildung. Zugelassen von der Landesärztekammer, arbeitete Barbara Roßmeier bis 1999 als Arzthelferin in einer Praxis, hatte diese Entscheidung keine Sekunde bereut und in gänzlich anderem Metier wiederum große Freude an ihrer Arbeit.
Momentan benötigt sie unendlich viel Kraft. Ihr Klaus verstarb 2015 und damit stand sie vor gewaltigen Herausforderungen, welche sie allerdings bravourös meistert.
Die beflügelnde Maxime der Mutter hatte sie an die eigenen Kinder weiter gegeben und auch vier Enkelsöhne und eine Enkelin werden sich mit diesen weisen Worten identifizieren.