MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Franz und Hertha Rother
Erfüllung im Beruf
Stuhlbaumeister i. R
Landwirtin i. R.
Gepülziger Str. 9
09306 Erlau OT Naundorf
2011 konnten Herta und Franz Rother im großen Kreis goldene Hochzeit feiern. Nun sollen fünfzig glücklichen Jahren weitere mit Gesundheit und in Gemeinsamkeit folgen.
1935 kam Franz Rother im schlesischen Glatz zu Welt, nur zwei Jahre Schulbesuch waren ihm vergönnt, dann wurde aus der Schule ein Lazarett. 1945 flüchtete die Familie (sie waren fünf Geschwister) wegen der Kriegshandlungen aufs Land, kehrte dann in die Stadt zurück, doch ihr Bleiben hier währte nur bis zum Dezember 1946. Dann wurden die deutschen Familien ausgesiedelt. Dicht gedrängt in Viehwaggons ging es nach Hoyerswerda, wo sie im Lager ein halbes Jahr ausharren mussten, denn wegen einer Ruhr-Epidemie wurde Quarantäne verhängt. In der mittelsächsischen Stadt Rochlitz wurden sie empfangen, aber bald ins kleine Theesdorf weitergeleitet, wo sie bei einem freundlichen Bauern Aufnahme fanden. Im Nachbarort Sachsendorf konnte nun der Schulbesuch aufgenommen werden, er begann wieder mit der 1. Klasse, denn viel Lehrstoff war in der Zwischenzeit in Vergessenheit geraten, doch dank guter Fortschritte konnten auch Stufen übersprungen werden. Nach dem sechsten Schuljahr ging es für Franz Rother schon in die Lehre. In der nahen Kleinstadt Geringswalde besaß die Sitzmöbelindustrie schon seit Vorkriegszeiten einen guten Ruf, war nun verstaatlicht, bot aber Franz Rother die Chance, eine Ausbildung zum Stuhlbauer aufzunehmen. Mit Holz zu arbeiten, war ihm eine Freude. Über vierzig Jahre im Betrieb gaben ihm die Möglichkeit, nach der Lehre das Handwerkliche zur vervollkommnen. Er arbeitete im Werk IV der Geringswalder Sitzmöbelindustrie zuerst hauptsächlich an der Oberfräse, konnte sich bei den Erfahrenen viel abgucken, wurde als Brigadier eingesetzt und konnte nach dem Besuch der Meisterschule in Hainichen im Maschinensaal die Verantwortung für 25 Kollegen übernehmen. Zwar wurden zu DDR-Zeiten die hier produzierten Stühle und Sessel auch an Abnehmer aus der Bundesrepublik geliefert, solides Handwerk hatte seinen guten Ruf, aber auch seinen Preis, den mit der Einführung der DM 1990 der bundesdeutsche Handel nicht mehr zahlen wollte. Mit einer kleinen Abfindung wurde Franz Rothe wie viele seiner Arbeitskollegen in den Vorruhestand geschickt.
Seine Frau Herta, Jahrgang 1937, hatte in der Ferkelzucht der örtlichen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft über viele Jahre ihre verantwortungsvolle Aufgabe.