MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Roland Roscher
Südschweden als zweite Heimat
Zwickauer Str. 155
08468 Reichenbach
Fon: 03765 / 69120
Roland Roscher wurde am 28.12.1938 in Reichenbach im Vogtland geboren und wuchs als Einzelkind auf. Sein Vater arbeitete als Frisör und fiel am 21.12.1941 im zweiten Weltkrieg. Mutter Gertrud, die Roland allein aufziehen musste, war Damenschneidermeisterin. „Ich hatte immer ein sehr enges Verhältnis zu meiner Mutter und habe bis zu ihrem Tod 2012 mit ihr zusammen gelebt. Sie erreichte, trotz aller Schicksalsschläge ein Alter von 101 Jahren“, berichtet Roland Roscher. Von 1944–1954 besuchte er die Schule in seiner Heimatstadt und absolvierte im Anschluss eine dreijährige Lehre zum Lithograf bei der Firma Schmidt & Artinger in Reichenbach. Im Anschluss war er bis 1972 bei dieser privaten Firma tätig. Von 1972–1992 arbeitete Roland Roscher dann im VEB Druckwerke Reichenbach als Lithograf und kümmerte sich vorrangig um Farbretuschen für Ansichtskarten, Prospekte und farbige Bilder. „Das geschah damals fast alles in Handarbeit. Heute gibt es diesen Beruf so gar nicht mehr“, erzählt er. 1999 ging er aus der Arbeitslosigkeit heraus ohne Abzüge in Pension. Privat ist Roland Roscher ledig und hat keine Nachkommen. „Ich verstehe mich aber sehr gut mit meinen Cousins und Cousinen, von denen einige in der näheren Umgebung leben“, sagt er. Seine zweite Heimat ist vor vielen Jahren Südschweden geworden. „Hier leben gute Bekannte, mit denen ich bereits vor der Wende einen regen Briefwechsel unterhalten habe. Danach konnten wir uns persönlich kennenlernen, und ich habe seitdem mit meiner Mutter jedes Jahr in Schweden Urlaub gemacht. Mein besonderes Interesse gilt guter Literatur, vor allem klassischer, aber auch zeitgenössischer Ausgaben. Vor allem auch historische Dokumentationen, d. h. sogenannte Sachbücher. Ausgesprochen widerlich finde ich Kriminal-Erzählungen und speziell Filmserien wie sie im TV regelmäßig geboten werden. Dieses ist geradezu entsetzlich!! Es ist gut, dass es die Off-Taste gibt. Des Weiteren habe ich mich seit jeher berufsbedingt für Malerei und Grafik interessiert, aber eben in der Hauptsache als Betrachter von Ausstellungen und speziellen Publikationen in den Medien. Selbst wieder Pinsel und Stift in die Hand zu nehmen wäre ein guter Vorsatz, der schwer zu verwirklichen ist. Ich hoffe jedoch, dass ich mich einmal dazu durchringen kann“, berichtet Roland Roscher, der bis heute seinen Lebensabend von Mai bis Oktober hier verbringt. „Ich habe mir die Landessprache Schwedisch übrigens selbst beigebracht“, schmunzelt er und hofft, dass er noch lange die Kraft hat, die Schönheit Südschwedens in seinem kleinen Eigenheim in der Provinz Skane zu genießen. „Sollte das irgendwann aus Altersgründen nicht mehr möglich sein, wird sich der mir besonders nahe stehende Urenkel meines Großonkels, Thomas, darum kümmern, dem ich das Kleinod bereits zu Lebzeiten überschrieben habe. Mir ist wichtig, dass das Haus in gute Hände kommt“, sagt Roland Roscher. „Den Traum vom eigenen Häuschen konnte ich mir erst im Alter von 60 Jahre erfüllen. Das war im Jahr 1999. Jedoch nur im Nachbarland im Norden. Fakt ist: In meiner Heimatregion waren und sind die Immobilienpreise für einen Durchschnittsbürger unerschwinglich! So könnte ich mich als deutschen „Miet-Flüchtling bezeichnen. Mieter zu sein beeinflusst entscheidend Lebensqualität und persönliche Freiheit. Wir, meine Mutter und ich, haben in den Jahren von 1948–2009 in Reichenbach dreimal die Zwangsräumung unserer Mietwohnung hinnehmen müssen“, berichtet er weiter. Für die Zukunft wünscht sich Roland Roscher vor allem Gesundheit, damit er seine liebgewonnen Traditionen noch viele Jahre pflegen kann.