MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Siegfried und Barbara Rosenstiel
„Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren.“ (Michail Sergejewitsch Gorbatschow)
Lokschlosser
Staatlich anerkannte Erzieherin
Feldstr. 7
09669 Frankenberg
Während des Krieges 1943 geboren, hat Siegfried Rosenstiel davon kaum bewusst etwas mitbekommen. Doch er erinnerte sich, dass 1946 ein eisiger Winter herrschte und er als kleiner Junge versuchte seine in Wollstrümpfen steckenden, eiskalten Beine zu wärmen. Dabei einen Kessel mit heißem Wasser herunterreißend, verbrühte sich der Junge zwei Drittel der Haut. Ein sehr traumatisches Erlebnis. Seit der Vater 1950 das Haus kaufte, in dem er heute noch lebt, verbringt er seine Lebenszeit hier. Verändert und umgebaut wurde stetig an dem Haus. Was mit Plumpsklo über den Hof und Haustür mit einem 2-Meter-Holzbalken als Türriegel begann, ist heute ein beschauliches und modernes Heim. 1950–1958 besuchte Siegfried Rosenstiel die Schule, absolvierte anschließend (1958–1961) eine Lehre im RAW (Reichsbahnausbesserungswerk) zum Lokomotivschlosser. Auf der Abendschule erlangte er zudem noch den Abschluss der 10. Klasse. Am 13.08.1961 wurde er zur Armee eingezogen – erst 17-jährig und zu früh – begründet mit den politischen Ereignissen an diesem Tag. Nach 20 Monaten kehrte er in seinen Lehrbetrieb zurück, nahm seine Arbeit wieder auf. Während seines Berufslebens erlebte er im RAW die Umstellung von der Dampf- auf die Diesellok. Im Jahr 1964 wurde die Dampflokausbesserung im Werk endgültig beendet. Siegfried Rosenstiel qualifizierte sich später zum Prüffeldschlosser und arbeitete bis 1998 im Betrieb. Er berichtete über Materialmangel, turnusmäßige Reparaturen und Neuaufbau von Motoren mit großem Aufwand. „Manches haben wir kaputt repariert“ berichtet er über unsinnige Forderungen. Mit 55 Jahren ging er über den Vorruhe- in den Ruhestand den er heute mit Ehefrau Barbara genießt. In einem Ferienlager haben sich die beiden kennengelernt als sie erst 13 Jahre alt waren. Die Verbindung nie verlierend, sich immer wieder treffend, heirateten sie 1964. Barbara Rosenstiel ist 1943 geboren. Den Vater – seit 1944 im Krieg (Rumänien) vermisst – lernte sie nie bewusst kennen. Die Mutter erkrankte nach einem Unfall schwer, war zeitlebens Invalidenrentnerin. „Ich hatte trotzdem eine schöne Kindheit, obwohl wir nichts hatten“, erklärt sie dennoch. Lehrerin wollte sie nach der 10. Klasse werden, doch auf Grund der familiären Bedingungen (nicht nur auf sich selbst gestellt, sondern auch die Pflege der Mutter bewerkstelligend) gelang das nicht. Sie absolvierte stattdessen die Kíndergärtnerinnenschule in Waldenburg, wurde danach im Kinderheim „Sonneneck“ in Frankenberg tätig. „Da bin ich fast 40 Jahre geblieben, mit Unterbrechung durch die Geburten der Kinder“, berichtet sie. Kathrin (geb. 1967, Sekretärin) lebt heute in England. Carla (geb. 1972, Krankenschwester) ist in der Region geblieben und hat für eine Enkeltochter gesorgt. Barbara Rosenstiel verbrachte die Hälfte aller Sonn- und Feiertage bei der Arbeit. Als Elternersatz zu fungieren, mit Aufgaben wie in einer Familie, Kinder im Alter von vier bis vierzehn Jahren zu versorgen und ihren Werdegang zu verantworten war nicht einfach und nur zu bewältigen durch eine große Liebe zum Beruf und eine Qualifizierung zum staatlich anerkannten Erzieher. 2002 beendete Barbara Rosenstiel ihre Berufstätigkeit. Die Eheleute Rosenstiel sind stolz auf das Geschaffene und ihre Familie, die (leider viel zu selten) ein- bis zweimal jährlich zusammenkommt. Mit großem Interesse und etwas Sorge verfolgen beide die aktuelle Politik und hoffen auf den Erhalt des Friedens.