MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gisela und Günter Rothe
Günter und seine Post
Gartenstr. 31
09212 Limbach-Oberfrohna
Fon: 03722 / 94751
Wie sich die Zeiten geändert haben, die Ansprüche gewachsen sind, beschreibet der 1941 geborene Günter Rothe anhand seiner Kindheit. Damals wohnten seine Eltern mit neun Kindern in dem Haus in dem er heute noch lebt. Was jetzt als klein empfunden wird bot damals Platz für alle. In jeder Familie gab es mehrere Kinder und wenn draußen gespielt wurde oder der Wald gegenüber durchstreift wurde war es immer eine ganze Schar, die da zusammen kam. Große Familien bedeutete viel Arbeit und erforderte eine kluge Organisation und Verteilung. Alle mussten mithelfen. Ob es galt Hühner und Hasen zu versorgen, dem Vater nach der Schule das Mittagessen zur Arbeit zu tragen, beim Bauern Steine zu sammeln, Disteln zu stechen oder Kühe zu hüten (pro Nachmittag für 0,50 Pfennig eine Vesper- und eine Abendbemme) – es gab immer und für jeden etwas zu tun und war in der Nachkriegszeit auch notwendig um die vielen hungrigen Mäuler zu stopfen. Von 1948–1956 besuchte Günter Rothe die Schule, arbeitete dann ein Jahr in der Landwirtschaft und ging als 17-jähriger zur Post. Angelernt als Kastenleerer (Briefkastenleerung), sortierte und stempelte er danach die Briefe, trug sie später auch als Briefträger aus. Statt Lehre gab es Anlernen für die Tätigkeiten und später auch Weiterbildungen. Über 35 Jahre trug er die Post in Rusdorf aus – bei Wind und Wetter, mit dem Fahrrad. Jeder kannte ihn, alle begrüßten ihn fröhlich. Später gab es Zustellfachanlagen und einen Trabbi für die Arbeit. „Mit Leib und Seele hab ich das gemacht...“erzählt er. Zum Quarkkeulchen-Essen wurde er eingeladen und der Trabbi repariert wenn der Probleme machte. So war das damals: Die Menschen waren freundlich, Zusammenhalt, Respekt und Achtung groß. Dann kam die Wende. Aus dem Trabbi wurde ein Golf, doch die Post blieb sein Metier bis zum Vorruhestand 1998 und den späteren Renteneintritt. „Günter und seine Post....“, lacht Ehefrau Gisela als sie ihn so schwärmen hört. Sie, 1940 geboren, wuchs mit zwei Geschwistern auf und erzählt trotz der Kriegs- und Nachkriegszeit eine schöne Kindheit erlebt zu haben. Nach der 8. Klasse lernte sie in der Strumpffabrik, wurde Textilfacharbeiterin. 45 Jahre blieb sie ununterbrochen im Betrieb. Mit 60 Jahren ging sie in die Rente, bedingt durch den Stellenabbau im Betrieb nach der Wende. Heute gibt es die Fabrik nicht mehr. In zweiter Ehe seit 2003 verheiratet, haben beide aus erster Beziehung einen Sohn. Thomas Rothe (Bäcker) lebt heute noch in der Nähe, während Gisela Rothe ihren Sohn Mario (Maurer) durch frühen Tod verlor. „Es ist Glück, dass es mir noch so gut geht und der Frau auch so einigermaßen...“, sagt Günter Rothe und beide freuen sich noch einmal einen Partner gefunden zu haben und auf der Basis von Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Vertrauen zusammen leben zu können. Haus, Hof und Garten sind tägliche Aufgabe und Freude und halten zudem auch noch fit.