MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ursula und Rudi Rost
Immer in Bewegung bleiben
Plüschweberin, Sekretärin
Maurer, Ausbilder, Polier
09661 Striegistal OT Pappendorf
Fon 037207 / 53321
Ursula und Rudi Rost kennen sich seit 44 Jahren und haben sich gegenseitig an ihre Ecken und Kanten gewöhnt. Sie blicken mit Stolz auf ihre Lebensleistung und die ihrer Eltern zurück.
Ursula Rost wächst in Berbersdorf auf und denkt bis heute an eine sehr schöne Kindheit zurück. Für den erträumten Beruf einer Laborantin gibt es keine Lehrstelle und so erlernt sie ab 1970 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) drei Jahre den Beruf einer Facharbeiterin für Textiltechnik und legt daneben das Abitur ab. Sie bleibt in ihrem Betrieb, wo sie auch ihren Mann Rudi kennenlernt. Im Schichtsystem werden Gebets- und große Wandteppiche produziert, die größtenteils für den Export in die Sowjetunion bestimmt sind. Ursula Rost denkt bis heute an die sehr gute Kollegialität und den Zusammenhalt zurück. Im Jahr 1975 wird die Tochter Bianca geboren, die Mutter bleibt zu Hause, um sich der Betreuung der Tochter zu widmen. Diese arbeitet heute bei der AOK und hat selbst zwei Kinder. Im Jahr 1978 nimmt sie ihre Arbeit wieder auf und ist ab 1982 als Schulsekretärin tätig. Das dortige Lehrerkollektiv nimmt sie sehr gut auf, ab 1990 ändert sich das Betriebsklima jedoch schlagartig. Nach 22 Jahren, wo sie auch als Personalratsvorsitzende tätig ist, verlässt sie die Schule. Sie lernt das Auf- und Ab von ABM- und Umschulungsmaßnahmen kennen und bekommt bei Zeitarbeitsfirmen immer nur befristete Verträge. Kündigungen gehören inzwischen zu ihrem Alltag.
Rudi Rost hat in seiner Jugend nicht viel Spaß an der Schule. Viel lieber verbringt er mit Freunden seine Zeit im Wald, in der Scheune oder auf dem alten Rittergut. Nach einem Besuch in Karl-Marx-Stadt, wo sich zu dieser Zeit eine Baustelle an die andere reiht, fasst er den Entschluss, ebenfalls Bauarbeiter zu werden und erlernt nach der Schule drei Jahre den Beruf eines Maurers, wo er sich auf Geschoss- und Stahlbau spezialisiert. Im Jahr 1970 wird Rudi Rost zu den Grenztruppen einberufen. Den Umgang der Vorgesetzten mit den Soldaten hält er noch heute für „gewöhnungsbedürftig“, vor allem ist er froh, dass er niemals schießen musste. Nach der Armee arbeitet er als Schichtführer und ist viel auf Montage. Aus gesundheitlichen Gründen muss er den Beruf als Monteur aufgeben. Er arbeitet danach als Mauerer in einer LPG, im Steinbruch und in einer Milchviehanlage. Neben der Arbeit baut Rudi Rost mit Hilfe des Betriebes das Eigenheim für die Familie und lernt dabei die Tücken der Mangelwirtschaft in der DDR kennen und meistern.
Für Ursula und Rudi Rost sind die gesellschaftlichen Umbrüche ab 1989 ein freudiges Ereignis. Sie modernisieren ihr Haus und bauen es innen noch einmal völlig neu aus. Rudi Rost arbeitet bis 2004 bei einer Firma, die Eigenheime baut, als Polier. Er ist ein begeisterter Biker, fährt gern Fahrrad und wandert viel mit seiner Frau.