MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Horst Rodegast
Ein guter Zuhörer hat seit über 25 Jahren Ferien
Lehrer
99510 Apolda
Seine Kindheit verlief trotz der Kriegswirren unbeschwert. Horst Rodegast aus Apolda, Jahrgang 1931, spricht von „Brot und Wärme“, die er von kleinauf als Sohn und Enkel eines Bäckermeisters erfuhr. Ursprünglich sollte der gebürtige Apoldaer die Bäckerei seines Großvaters und Vaters übernehmen, was aber gesundheitlich nicht klappte. Nach dem Abitur (1950), das er in seiner Heimatstadt machte, bewarb sich der Thüringer für ein Biologiestudium an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Horst Rodegast, der von 1954-2011 mit seiner Ursula (Drogistin, Hortnerin) bis zu ihrem Tod (2011, Krebs) verheiratet war, wurde abgelehnt. Vielmehr wurde ihm nahegelegt, ein Lehrerstudium aufzunehmen, weil Lehrer dringend gebraucht wurden. Ein Jahr blieb er aber zu Hause und absolvierte danach bei seinem Vater den Bäckergesellen. Schließlich ließ er sich doch breitschlagen und studierte an der Uni in Jena drei Jahre Lehramt für Biologie und Chemie. Als Fachlehrer gelang es Horst Rodegast, in der thüringischen Heimat Fuß zu fassen, er unterrichtete zunächst drei Jahre in einer einzügigen Dorfschule (bis zur 8. Klasse) in den Fächern Chemie, Physik und auch noch Deutsch in einer 4. Klasse. Die Arbeit mit den jüngeren Schülern lag ihm gar nicht, so dass er gesundheitlich drei Monate pausierte. Sein Bestreben, in einer Apoldaer Schule eingesetzt zu werden, gelang. Von 1957-1971 gab er Unterricht in Biologie und Chemie, war Klassenleiter und Fachlehrer. Die Chemiestunden überwogen, 1968/69 wurde Horst Rodegast für den Kreis Apolda auch noch Fachberater für Chemie. Als die Werner-Seelenbinder-Schule 1971 neu eröffnete, stieg er dort mit 40 Jahren als ältester Kollege ein und blieb bis 1984 an dieser Bildungseinrichtung. Dort lehrte er nur noch Chemie und war zudem bis zur Wende Kreisfachberater für dieses Fach. Die letzten Jahre seines Berufslebens als Lehrer verbrachte Horst Rodegast an zwei weiteren Schulen, zuletzt im Zuge der Wende an seiner früheren „Penne“, wo er selbst das Abitur abgelegt hatte. Das Angebot, 1992 aus dem Dienst auszuscheiden und in den Ruhestand zu treten, nahm der Vater von zwei Kindern an. Tochter Kerstin, 1957 geboren, ist Lehrerin für Sport und Geografie. Sohn Michael, geboren 1971, ist Diplomphysiker und arbeitet als Programmierer. Horst Rodegast, zu dessen Familie auch zwei Enkel und ein Urenkel gehören, ist glücklich, dass seine Kinder in der Region geblieben sind. Gute Freunde und eine intakte Familie zu haben, bezeichnet er als Glück. Horst Rodegast, Mitglied der FDP, singt noch immer im Männerchor seiner Stadt mit. 1951 war er dabei, als der Chor ins Leben gerufen wurde. „Ich bin ein guter Zuhörer“, nennt er seine persönliche Stärke und scherzt dabei, dass er nun seit über 25 Jahren Ferien hat. Zusammen mit Lebensgefährtin Marlis schätzt er das Reisen.