MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Edeltraut Roil

„Ich bin ein Steh-auf-Männchen und lass mich doch nicht unterkriegen!“ (Edeltraud Roil)

Edeltraut Roil

Friedensplatz 1
06844 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 2302807

Als das Mädchen Edeltraud 1938 als Tochter einer Arbeiterin und eines Schweizers (Melkers) in Ostpreußen geboren wurde, schien die Welt noch in Ordnung. Das änderte sich Kriegs- und Fluchtbedingt bald. 1944 eingeschult konnte sie nur ein viertel Jahr die Schule besuchen, dann musste die Familie die Heimat verlassen, geriet in russische Gefangenschaft, was dazu führte, dass das kleine Mädchen 1949 – indessen elfjährig in Dessau angekommen – keine weitere Schulbildung erhalten hatte. Weil die Mutter ihr lesen, schreiben und rechnen beigebracht hatte, wurde sie nun ins 2. Schuljahr eingeschult, absolvierte die 3. und 4. Klasse in einem Jahr, übersprang die 5. Klasse, machte die 6. und 7. Klasse wieder in einem Jahr und war 15 Jahre als sie – so nur vier Jahre beschult – den Abschluss der 8. Klasse erreichte. 1953 die Schule verlassend, besuchte sie die Fachschule, wurde Kindergärtnerin, arbeitet als solche. 1957 heiratete sie ihre große Liebe Hans (Elektroschweißer, verstorben 1976), die Kinder Silva (1957), Martina (1958) und Renè (1961) wurden geboren. Sie gab auf Grund der familiären Herausforderungen ihren Beruf auf, fing in der Industrie als ungelernte Schreibkraft an und nahm die Möglichkeit eines Frauensonderstudiums für die Ausbildung zum Wirtschaftskaufmann wahr. 1973 begann sie mit 36 Jahren ein Studium an der TU Dresden, schloss es als Dipl.-Ing.-Ökonom ab. Als Ökonomischer Direktor wurde sie im VEB Tafelgeräte Dessau tätig und führte den Betrieb später als Betriebsdirektorin. Mit 17 Jahren bereits Mitglied der SED, wechselte 1982 in die Kreisleitung der SED, wurde im Bereich Wirtschaft tätig und erlebte hier die Wende mit ihren Auflösungen der Strukturen und der unkontrollierten Diskriminierung ehemaliger Staatsfunktionäre der DDR. Als eine von wenigen „roten Socken“ – wie diese nun betitelt wurden – hatte sie das Glück einen neuen Arbeitgeber zu finden, dem fachliche Leistung wichtiger war statt Strafe für anderes Denken. Im Betriebsteil Fernwärme der Gebäudewirtschaft (später Gründer der Stadtwerke Dessau) wurde sie als Bereichsökonom tätig, in den Stadtwerken als Leiter der Materialwirtschaft bis zum Vorruhestand und Renteneintritt 1998 weiter beschäftigt. Nach so einem intensiven Arbeitsleben fiel der Ruhestand schwer. Der Verlust der Arbeit mit den Menschen wurde schnell zur Einsamkeit die durch die Notwendigkeit der Beschäftigung mit eigener Erkrankung mit der Zeit verblasste. „Jammern hilft nicht, man muss mit dem leben was ist“, beschreibt sie ihren lebenslangen Mut sich neuen Herausforderungen zu stellen, stets ihr Geschick in die eigenen Hände zu nehmen. Noch heute ist sie überzeugt von den sozialen Errungenschaften der DDR und dem damaligen Bestreben soziale Gerechtigkeit für alle zu erreichen. Sie wird oft daran erinnert, wenn sie die Unzufriedenen von einst heute wieder als neue Unzufriedene erkennt. Edeltraut Roil steht aufrecht zu ihren Überzeugungen und war immer leistungsbereit. Das unterscheidet sie von einigen, die Zusammenhalt und Fürsorge als selbstverständlich hinnehmen, sich selbst in den Mittelpunkt stellen, lieblos den Menschen neben sich behandeln. Sie hat nie weggesehen, ist kritisch geblieben, vertritt bis heute ehrlich und konsequent ihre Standpunkte. Aufrichtigkeit erwartet sie auch von anderen und wenn Enkelin Marion heute zu ihr sagt: „Oma du bist vollkommen“, freut sie diese Anerkennung ihrer Lebensleistung und Persönlichkeitsentwicklung sehr.
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