MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerda Ronge
In den Fußstapfen des Vaters...
Querstr. 13
06766 Bobbau
Fon: 03494 / 21309
1939 geboren, war es nach Erlangen der Mittleren Reife für das Mädchen Gerda klar, wie die berufliche Entwicklung aussehen sollte. Vater Franz Tränkel hatte dabei mindestens den gleichen Einfluss, wie das generelle Interesse an der Chemie. Der Mauer hatte sich zum Chemietechniker qualifiziert, war viele Jahre in der Lehrlingsausbildung, dann in der Forschung und als Betriebsteilleiter Bobbau in der Farbenfabrik Wolfen tätig. Das junge Mädchen Gerda lernte – nach Beendigung der Oberschule – bereits bei einem Lehrausbilder, der einst Lehrling ihres Vaters war und von dem 1953 als „Held der Arbeit“ ausgezeichneten Mann selbst viel gelernt hatte. 1956 beendete sie die Lehre als Fotochemiefacharbeiterin in der Filmfabrik Wolfen, blieb als Jungfacharbeiter einige Monate im Betrieb. Doch sie fühlte sich unterfordert, wollte mehr. Das Lesen einer Zeitungsanzeige stellte die Weichen für die Zukunft. Das Lehrmeisterinstitut Magdeburg suchte Bewerber und sie sah hier eine Chance auf Entwicklung. Zwei Jahre später (1960) hatte sie den Abschluss als VEB-Meister der Chemie in der Tasche (verbunden mit einem pädagogischen Abschluss) und konnte damit ihre Arbeit in der Berufsausbildung der Filmfabrik aufnehmen. Wie viele Lehrlinge sie in ihren aktiven Jahren dort ausgebildet hat, kann sie nicht mehr nachvollziehen. Sie hat irgendwann aufgehört mit dem Zählen. Bis zur Auflösung des Bereiches 1993 war sie dort tätig, mit einer Unterbrechung von sechs Jahren. In dieser Zeit war ihr Sohn Michael in die Schule gekommen und die Schwiegermutter war pflegerisch zu versorgen, was die Auszeit nötig machte. Als Sachbearbeiterin für Soziales arbeitete sie stundenweise vorübergehend in der Gemeinde Bobbau, um den Familienetat nicht zu sehr zu schmälern und ihren privaten Aufgaben trotzdem Rechnung tragen zu können. Auch in ihrer Arbeit als Lehrmeisterin waren ihre Aufgaben nicht nur fachlicher Natur. Sie erinnert sich an die Zeit des Vietnamkrieges. Die im Heimatland und Kriegeinsatz nicht benötigten Berufsgruppen, fanden Aufnahme in der DDR, sollten ausgebildet werden. Eine außergewöhnliche Herausforderung, denn hier war nicht nur Fachwissen zu vermitteln, sondern Sprache, Wir-Gefühl, andere Kultur und Verständnis füreinander. Mit der Wende stand schnell fest, die bereits eingeschulten Lehrlinge dürfen auslernen, neue wird es nicht mehr geben. Und der Wegfall der Arbeitsplätze bedeutete zugleich, dass praktische Ausbildung kaum noch erfolgen konnte. Eine traurige Zeit.... Selbst auf null Stunden gesetzt, anschließend drei Jahre arbeitslos, ABM-Tätigkeit ausführend, „rettete sie sich“ mit 60 Jahren in die Rente. Noch heute trifft sich Gerda Ronge regelmäßig mit den ehemaligen Kollegen der Berufsausbildung. Genauso intensiv pflegt sie die Kontakte zu allen Familienmitgliedern, selbst den entfernten Verwandten. Sohn Michael wohnt im Haus, was die Nähe zu den beiden Enkeln erleichtert. Und dass der Lebensgefährte in Leipzig beheimatet ist, stellt auch kein Problem dar. Es wird trotzdem die meiste Zeit gemeinsam verbracht. Gerda Runge möchte noch lange für alle da sein können, deshalb gesund bleiben und weiter Freude daran haben, das Geschehen mit Fotografien festzuhalten.