MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Eva Helga Ronniger
Nichts musste eingestampft werden!
Korrektorin
Siedlungshof 13
06618 Naumburg
Das sagen zu können, macht Eva Ronniger besonders stolz. In den vielen Jahren als Korrektorin in einer Naumburger Druckerei habe sie keine Fehler übersehen, betont sie. Eva Ronniger las Korrektur in 13 Sprachen. Und alles las sie per Hand. Ohne ihre Unterschrift ging keine Auflage in den Druck. „Ein Fehler von mir, und die Arbeit vieler wäre für den Reißwolf gewesen“, erklärt sie.
In Naumburg kommt Eva Ronniger 1947 zur Welt. Sie wächst bei den Großeltern auf. Ihre Mutter ist alleinerziehend und muss Geld verdienen. Noch heute fühlt sich Eva Ronniger der Oma in besonderer Liebe verbunden.
Nach der Grundschule lernt das Mädchen Schriftsetzer. Diesen Beruf hat es sich selbst ausgesucht. Die Schriftsetzer mussten mit 300 Grad heißem Blei hantieren. Ein komplizierter Vorgang sei der Bleisatz gewesen, erzählt Eva Ronniger.
Weil sie für ihre Tochter einen Krippenplatz sucht, arbeitet Eva Ronniger im Eulauer Kindergarten. Nach zwei Jahren als Erziehungshilfe will sie in ihren Beruf zurück und absolviert einen Lehrgang als Maschinensetzer.
Ab 1980 übernimmt Eva Ronniger in ihrer Druckerei hauptamtlich die Korrekturlesungen.
Nach elf Jahren wird die Korrektorin arbeitslos. Beim Internationalen Bund Naumburg erhält sie eine Umschulung als Zierpflanzengärtnerin. Später dann eine als Floristin. Eva Ronniger ist ehrgeizig. Lehrgänge schließt sie immer mit einem Zertifikat ab.
Auch „AB-Maßnahmen“ bewahren Eva Ronniger vor Arbeitslosigkeit. Im Seniorenbüro des Luisen-Hauses wird sie als Bürokraft eingesetzt. Nebenbei betreibt sie mit den Senioren Gedächtnistraining. Heute macht sie das ehrenamtlich.
„Mit viel Freude. Man bekommt viel von den Menschen zurück“, meint sie.
Auch im Naumburger Dom engagiert sich Eva Ronniger ehrenamtlich. In dessen Kapitelstube hatte sie Daten von alten Urkunden abgeschrieben und in den Computer eingegeben. Einen Euro pro Stunde erhielt sie für diese wissenschaftliche Zuarbeit. Auf die Veröffentlichung des Werkes ist Eva Ronniger gespannt.
Einmal nach Griechenland fliegen und auf die Akropolis steigen. Diesen Wunsch hegt Eva Ronniger nicht von ungefähr. Ihr Interesse für die Antike verdankt sie ebenfalls einer „AB-Maßnahme“, in der sie für das Landesmuseum Halle an archäologischen Ausgrabungen in Naumburg beteiligt war.
Als ehrgeizig, wissenshungrig und lernfähig beschreibt sich Eva Ronniger. Und im Rückblick auf ihr Leben sei sie mit dem Erreichten zufrieden …