MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Anita und Wilfried Rieschick

„Lehren heißt: die Dinge zweimal lernen.“ (Joseph Joubert)

Beethovenstr. 20
06772 Gräfenhainichen OT Zschornewitz
Fon: 034953 / 88535

1945 in Varnsdorf geboren, kam das Mädchen Anita mit ihren Eltern (Umsiedler) 1946 nach Deutschland. Das Auffanglager in Mecklenburg blieb nicht lange Station für die Familie. Sie ließen sich bald darauf in Crimmitschau nieder. Hier wurde sie eingeschult, hier legte sie ihr Abitur ab. Sie erinnert sich, dass es nicht einfach war eine Zulassung dafür zu erhalten. Es waren nicht nur die Leistungen, sondern auch die Klassenzugehörigkeit der Eltern entscheidend für eine erfolgreiche Bewerbung. Doch am Weihnachtsabend konnte sie das Zulassungsschreiben den Eltern übergeben. „Damals war das noch was...“ resümiert sie heute. Stewardess wollte sie werden, Jura studieren, etwas mit Sprachen machen... berichtet sie. Geworden ist sie jedoch Lehrerin. 1964–1968 studierte sie dann aber in Mühlhausen Pädagogik – in der gleichen Seminargruppe wie auch ihr Mann Wilfried Rieschick (geb. 1945 in Gräfenhainichen). Das Paar heiratete 1968 und hatte damit bei der Einsatzplanung der Studienlenkung den Anspruch auf einen gemeinsamen Einsatzort. Sie bewarben sich um eine Stelle im Bezirk Karl-Marx-Stadt. Schnell hatten sie einen Vorvertrag in der Tasche. Als sich aber kurz darauf die Möglichkeit bot als Biologie- und Chemielehrer in Gräfenhainichen anzufangen, nahmen sie diese Chance gerne wahr und wurden an der Zschornewitzer Schule tätig. Ganze Generationen haben die Eheleute in den kommenden Jahren unterrichtet, treffen ihre ehemaligen Schüler noch heute auf der Straße bzw. wohnen mit ihnen indessen in Nachbarschaft. „Ich war bis zur Schließung der Schule 2005 hier tätig, gehörte sozusagen zum alten „Inventar“ erzählt Anita Rieschick. Geschlossen wurde die denkmalgeschützte Schule als Sekundarschule und nach dem Umbau neu als Grundschule eröffnet. Familie Rieschick erhielt einen Altersteilzeitvertrag. Ein Arbeitsmodell mit Gehaltsverzicht und Stunden-Gutschrift ermöglichte ihnen im letzten Arbeitsjahr an einer Gräfenhainichener Schule stundenweise und verkürzt zu arbeiten bis sie im Jahr 2006 in die Rente gingen. Beide schauen auf die Änderungen im Schulwesen seit der Wende zurück: Überprüfung, Neubewerbung, Entlassung von Kollegen. Mit dem ihnen ausgestellten „Persilschein“ konnten die beiden ihr Lehramt fortsetzen, mussten sich aber an neue Lehrpläne, neue Schulbücher und oft fehlende Zusammenhänge zwischen beiden gewöhnen. Den Sinn der vielen Schulbuchverlage und der unterschiedlichen Schulbuchnutzung in den Ländern konnten sie dabei nicht nachvollziehen, mussten aber damit umzugehen lernen. Die Freizeit während der Berufstätigkeit verbachte das Paar gerne im Garten. Hier konnten sie sich gut erholen. „Da hat keiner widersprochen, da konnte man sich abreagieren“ lacht die Oberlehrerin Anita Rieschick. Beide sind stolz auf ihre gemeinsamen Kinder Renè und Antje und die beiden Enkel. „Es gibt für alles eine Lösung, man muss nur miteinander reden“ ist das Lebensrezept von Anita Rieschick. Das tun die Rieschicks nicht nur in der Familie, sondern auch mit Freunden, Nachbarn und Bekannten. Das traditionelle Glühweintrinken und jährliche Straßenfest sind gute Gelegenheiten dazu.
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