MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christa Risse
Vom Fiasko ins Glück
Friseurmeisterin, Inhaberin: „Stadtfriseur Risse“
18069 Rostock
Das Leben meinte es nicht durchgängig gut mit ihr, doch Selbstdisziplin und Zielstrebigkeit führten vom Debakel in ein erfolgreiches, sehr außergewöhnliches Unternehmen. Ihr Geschäft ist nicht nur ein Friseursalon, gleichsam Kunstgalerie mit eigenen Werken, welche nebst Hunger nach Schönheit auch den Kunsthunger begeisterter Kundschaft stillen.
Christa Risse, geboren am 23.10.1950 in Rostock, wuchs im 1925 durch den Großvater gegründeten und vom Vater nach dem Krieg weitergeführten Salon auf, ins Geschäft hinein, genoss ihre Ausbildung gleichsam im Familienbetrieb, in welchem sie bis 1976 arbeitete.
Das Meisterstudium war lange abgeschlossen, als sie gleichen Jahres heiratete, nach Berlin zog und in einem volkseigenen Friseursalon begann. Der Beruf ihres Mannes führte die Familie – ihre Söhne Leif und Thomas waren geboren – nach Graal-Müritz. Dort fand sie im Gästehaus von Harry Tisch keine befriedigende, dennoch lukrative Tätigkeit.
Nebenbei arbeitete sie als Dozentin und bildete nun selbst junge Meister aus.
Nach der Wende wurde Frau Risse durch die Handwerkskammer abgeworben und formte in überbetrieblicher Ausbildung wiederum „Meisterschüler“.
1999 kommt es zum beruflichen wie familiären Fiasko. Das Unternehmen ihres Mannes zerbricht ebenso wie ihre Ehe.
Mit 50 Jahren musste sie ohne jeglichen finanziellen Rückhalt ganz von vorn anfangen und geht zur Absicherung des Lebensunterhalts als Geschäftsführerin eines großen Salons für ein Jahr nach Kiel.
So langsam schaut das Glück vorbei. Sie lernte ihren zweiten Mann Alfred kennen, zog in die Geburtsstadt zurück und eröffnete im Juli 2000 mit Partnerin einen eigenen Salon. Zwei Jahre später trennten sich die Partnerinnen.
Mit großer Hilfe und Unterstützung ihres Mannes eröffnete sie ihren „Stadtfriseur Risse“ und erzählt dankbar: „Allein ist es kaum zu schaffen, man braucht einen starken Partner.“ Und den hat sie in ihrem Alfred gefunden.
Im Salon steht der Kunde im Mittelpunkt, auf ihn wird eingegangen, er wird verwöhnt, positiv gestimmt und natürlich verschönt.
Übrigens nahm die starke Frau nebenbei immer an Meisterschaften wie Schaufrisieren teil und belegte ausnahmslos vordere Plätze.
Äußerst ergreifend ist ihr soziales Engagement. Sie unterstützt ein Waisenhaus in Sambia, hilft vor Ort, spendete eine Nähmaschine, Tantjemen, versteigert die eigenen Bilder, um noch mehr Geld nach Afrika fließen zu lassen und den Kindern vom Fiasko ins Glück zu verhelfen.