MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Helga Riedrich

Ohne Fleiß keinen Preis

Helga Riedrich

Schuhfacharbeiterin
Stepperin
Goethestr. 30
04758 Oschatz
Fon: 03435 / 620596

Große Preise waren es freilich nicht, aber die kleinen betriebsinternen Preise, die in jenen Jahren sozialistischer Produktionsweise vor allem zu den jährlichen Anlässen, wie dem Tag der Arbeit am 1. Mai, verliehen wurden, ehrten auch Helga Riedrich, denn sie war bei den Kolleginnen anerkannt, ihre fleißigen Hände kannten selten Ruhe, handwerklich saubere Arbeit abzuliefern, war ihr stetes Bestreben. 1939 in Oschatz geboren, wuchs sie mit zwei älteren Geschwistern im Ortsteil Zschöllau auf. Die Tochter eines Polizisten und einer Heimarbeiterin aus der Textilindustrie erlebte am Kriegsende die Einquartierung sowjetischer Soldaten im Untergeschoss des Hauses, deren Freundlichkeit ihr positiv im Gedächtnis bleiben konnte. Sie besuchte schon den heimischen Kindergarten, schloss dann an der Komensky-Schule in Zschöllau die 8. Klasse ab. Die vorgesehene Lehre konnte sie nicht aufnehmen, denn gesundheitliche Probleme, das Gehör sollte ihr das ganze Leben etwas zu schaffen machen, verhinderten den Lehrbeginn. Als sie wieder fit war, begann sie als Hilfsarbeiterin im VEB Hausschuhfabrik Oschatz, wurde bald als Stepperin eingesetzt. Hier konnte sie nun schon Geld verdienen, so dass ihr eine Rückstufung auf Lehrlingsentgelt nicht behagte, weswegen sie vorerst auf die Ausbildung verzichtete, später dann an der Abendschule einen Abschluss als Schuhfacharbeiterin nachholen konnte. Nun folgten fast 36 Jahre in diesem Betrieb, die Kolleginnen ihrer Brigade boten stets glücklichen Zusammenhalt, Feste wurden gemeinsam gefeiert, Fahrten zusammen unternommen. 1990 war Schluss. Die ökonomischen Voraussetzungen hatten unter DDR-Verhältnissen funktioniert, nun änderten sich mit der Vereinigung der beiden deutschen Teile die wirtschaftlichen Bedingungen, der Hausschuhfabrik blieb keine Chance unter marktwirtschaftlichen Verhältnissen. In den nächsten zwei Jahren wurde Helga Riedrich wochenweise noch eingesetzt, vor allem um bei Reklamationen fachgerecht nachbessern zu können. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen danach blieben rar, seit 1999 ist sie im eigentlichen Ruhestand. Ihr Mann Dieter (Heirat 1957) arbeitete als Stadtgärtner, verstarb bereits 1996, so fehlt ihr der Partner im Leben und beim von beiden geschätzten Tanz, der beim Turniertanz bis in sportliche Ambitionen zielte. Zwei Töchter, ein Sohn wurden ihnen geschenkt, acht Enkel, neun Urenkel bereicherten das Familienglück.
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