MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Waltraud Riedel
Emanzipiert sind wir schon
Agraringenieurin
Röttiser Straße 27
08547 Plauen
Fon: 03741/ 526923
Manchmal hat sie sich nur gewundert, gelegentlich auch mal geärgert, wenn Waltraud Riedel nach dem Wandel von der DDR-Gesellschaft zur bundesrepublikanischen Wirklichkeit Menschen aus den „alten“ Bundesländern begegnete, die ihr eine Emanzipation predigten, die für sie, wie für viele Frauen ihres Landstrichs, eher gelebte Wirklichkeit waren, Gleichberechtigung im Arbeitsleben, familiäre Stellung. Mit Selbstbewusstsein vertrat sie dann ihre Erfahrungen, Negatives unter sozialistischen Bedingungen nicht leugnend, Vergangenheit nicht verklärend, aber sich der Entwicklungen besinnend, die ihr Leben durchaus positiv prägten.
Noch heute wohnt sie in jenem Haus in Jößnitz (heute Plauener Stadtteil), in dem sie 1943 geboren wurde. Nach dem Abitur begann sie eine landwirtschaftliche Lehre, die durch die Geburt der Tochter unterbrochen wurde. Die Hausfrau und Mutter machte einen Abschluss als Michleistungsprüferin und konnte in Abendkursen auch den Facharbeiterbrief als Landwirtin ablegen. Die Berufstätigkeit als Fleischbeschauerin im Schlachthof verband sie dann mit einem Fernstudium in Zwickau, wo sie als Quereinsteiger die Ausbildung zur Agraringenieurin sehr erfolgreich absolvieren konnte. Dann war sie als Lehrobermeisterin an der Kreislandwirtschaftsfachschule 26 Jahre lang tätig. Als nach der Wende eine Stelle als Fachberaterin für Hauswirtschaft und Ernährung ausgeschrieben wurde, bewarb sie sich, nahm an vielen Fortbildungen teil, konnte fortan in vielfältiger Weise für die Menschen ihrer Region Orientierung bieten, sah sich als Mittlerin zwischen Erzeuger und Verbraucher. Während der Beratungsbedarf im hauswirtschaftlichen Bereich sich als eher gering erwies, konnte sie im Ernährungsbereich umso intensiver gestaltend wirken. Der Verführung durch irritierende Werbung setzte sie die Qualität der heimischen Produkte und Früchte entgegen. Besonders mit Kindern wurde ihr die Arbeit zur Freude, so dass sie auch nach dem Vorruhestand 2005 bis zum vorigen Jahr weiter in diesem Bereich präsent blieb. Außerdem verfasste sie ein eigenes Kochbuch, arbeitete an weiteren Publikationen zur vogtländischen Küche mit und bereicherte das Programm mit selbst verfassten Geschichten für Kinder.
Waltraud Riedel hatte 1962 geheiratet, ihr Mann Achim, Zimmermann von Beruf, starb bereits 2007. Ihre Tochter und zwei Enkel (Junge und Mädchen) bereichern ihr Familienleben.