MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hedy Richter mit ihrem Gedichtband "Blickwinkel"
Elixier eines Lebens
Dolmetscherin
Biengäßchen 6
95028 Hof
Fon: 09281 / 960570
Für jedermann hält das Leben einen Zaubertrank bereit. Für Hedy Richter sind das die Sprache und das Schreiben. Zum ersten Mal wurde ihr das so richtig bewusst, als für die alteingesessene Firma „Drei Richter Bitter“ Konkurs angemeldet werden musste. Ihr Mann war einer der Gesellschafter. „Es war ein Tiefschlag für mich. Nur durch Schreiben konnte ich ihm standhalten“, sagt die Lyrikerin zurückblickend.
Immer lag zuvor ein Schimmer des Glücks über dem Lebensweg der Hedy Richter. Dieser begann im März 1921 in Ludwigsstadt, als Tochter der Familie Schönauer. Ihr Vater, Lehrer und Kantor, hat über 80 Chorwerke komponiert. Er machte die Seele des kleinen Mädchens für klassische Musik empfänglich. Die Jugendjahre verbrachte Hedy in Bayreuth. Es war eine sorglose, musisch bildende Zeit, in der sie im Haus Wagner ein und aus ging. Verena, ihre gute Schulfreundin, war nämlich die Schwester von Wieland und Wolfgang Wagner. Bei den berühmten Festspielen durfte Hedy sogar manchmal als Statistin mitwirken.
Das junge Mädchen hatte ein gutes Gehör für die eigentümliche Melodie jeder Sprache. Es war also kein Wunder, dass sie sich für den Beruf einer Dolmetscherin entschied. Höhepunkt ihrer Karriere war die Tätigkeit als Chefdolmetscherin der amerikanischen Botschaft in Bonn–Bad Godesberg.
Auch privat lächelte das Glück für Hedy Schönauer. 1953 heiratete sie ihre große Liebe, den Unternehmer Verst Richter. Sie gab ihren Beruf auf und zog zu Ihrem Mann nach Hof. 2 Kindern schenkte Hedy Richter das Leben.
1980 bis 2000 war sie beim „Hofer-Anzeiger“ als Texterfasserin und Korrektorin tätig. Während dieser Zeit veröffentlichte sie drei Lyrikbände: 1990 „Spannweiten, 1993 „Blickwinkel“ und 1996 „Gezeiten“. Wiederholt wurde sie vom Rundfunk, Studio Franken, für eigene Gedichtvorträge eingeladen, ebenso bei einer Fernsehsendung über Hof, im Jahr 1990. Hedy Richter war beim Hofer Kulturamt bekannt und Autor vieler Lesungen in Hof. Sie moderierte Konzerte und engagierte sich in der Öffentlichkeit.
Kreativität und Einfallsreichtum bezeichnet die 89jährige Dichterin als ihre mentale Stärke. Immer noch ist sie Mitglied im Tennisclub und im Hofer Liederkranz. Mit den „Schubladenlyrikern“, zu denen sich auch Hedy Richter zählt, treffen sich neugierige, literaturinteressierte Hofer, oft zu anregendem Meinungsaustausch. Mit ihren Texten können sich die Leser identifizieren, spannen sie doch einen weiten Bogen über die Dinge des Lebens und der Welt. Berühren gleichermaßen Herz und Verstand. Hedy Richter gibt gern die Erfahrungen ihres langen Lebens weiter. In „Die Erinnerung“ bekennt sie sich bedingungslos zum Leben: In der Vergangenheit zu leben, heißt sich aufgeben, in der Zukunft zu leben, heißt am Leben vorbeileben, in der Gegenwart leben heißt leben, also lebe. Das ist das Credo einer klugen Frau, die gern schreibt und klassische Musik hört. Hedy Richter hat nur den einen Wunsch, solange sie lebt, geistig fit und rege zu sein.