MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hans-Jürgen-Friedrich und Gisela Richter
„Ein froher Gast ist niemals Last.“ (Sprichwort)
mit Tochter Katrin Richter-Märtens
Gastronomen
Ehemals Inhaber der Gaststätte „Zur Linde“
Walderseeer Str. 20
06785 Oranienbaum OT Wörlitz
Historische Dokumente über Vockerode lassen vermuten, dass einst das Richteramt und das Schenkrecht miteinander verbunden waren. Der erste Schenke im Jahr 1547 war demnach der Richter Peter Richter. Viele Besitzer folgten, der Schenke Friedrich Richter geriet in Lebensgefahr als der Gasthof 1907 vollständig abbrannte. Neu erbaut und nun den Namen „Zur Linde“ tragend, wurde er unter der Leitung von Friedrich Richter, dem jüngeren, nach 1907 zum Anziehungspunkt der Besucher des Wörlitzer Parks. Hans-Jürgen-Friedrich Richter, geboren 1952, berichtet von langer Familientradition. Sein Urgroßvater und der Großvater besaßen das Lokal. Doch seinem Vater wurde die Konzession verweigert. In der DDR war Selbstständigkeit in der Gastronomie nicht erwünscht. Die jeweiligen Objekte wurden von der Handelsorganisation (HO) und der Konsumgenossenschaft bewirtschaftet, Pächter eingesetzt –so auch ab 1959 in der Gaststätte „Zur Linde“. Nach der politischen Wende in der DDR erschloss sich die Möglichkeit der Rückführung in Familienhand. Aber auch die letzte Pächterin bekundete Interesse an der Weiterführung des Lokals. Anfängliche Weitervermietung führte jedoch zu Problemen und gerichtlichen Auseinandersetzungen, denn die Miete blieb aus und schließlich verschwanden neben den Mietern auch Inventarteile. Spätere Mieter waren erwiesen sich als keine bessere Alternative. Ein Jahr lief alles planmäßig, das zweite Jahr blieb die Miete aus.... Das wiederholte sich mit konstanter Gleichmäßigkeit immer wieder und wieder. Tochter Katrin (geb. 1977) lernte zu der Zeit in der Gastronomie (drei Jahre Service im Schwarzwald) und erklärte sich bereit das ehemalige Familienunternehmen wieder selbst zu übernehmen und auf Erfolgskurs zu bringen. Schnell wurde der Plan vorangetrieben, umfangreiche Um- und Ausbauten erfolgten. Im Jahr 2005 eröffnete Katrin Richter-Märtens das traditionsträchtige Haus neu. Anlaufschwierigkeiten, Personalengpässe wurden schnell gemeistert. Hans-Jürgen-Friedrich und Gisela Richter standen ihrer Tochter unterstützend zur Seite, so dass der heutige Erfolg ein gemeinsam errungener ist. Hans-Jürgen-Friedrich Richter ist gelernter Landmaschinenschlosser und Meister der Landwirtschaft. Nebenher war er stets mit der Gastronomie verbandelt. Viele DDR.-Jahre lang hatte er den Jugendclub betreut, die Bewirtschaftung mit übernommen. Nach der wendebedingten Entlassung arbeitete auf dem Bau bis 1998. Von 1999–2010 konnte er als Kraftfahrer, Schlosser und Handwerker sein Geld verdienen. Ein Unfall beendete das, wie auch die Möglichkeit im Beruf jemals wieder arbeiten zu können. Haus und Hof wurden nun zu neuer Herausforderung. Hühner und Kaninchen sind die letzten Zeugen vergangener Landwirtschaftszeit. Die Gaststätte fordert die Eheleute vollends, da bleibt keine Zeit für anderes. Seit 1976 sind die Richters verheiratet. Gisela Richter wurde 1956 geboren. Nach der 10. Klasse lernte sie den Beruf Lebensmittel-Verkäuferin, blieb mit Unterbrechungen (Umschulung zur Bankkauffrau und zeitweise Arbeit als solche) im Beruf tätig bis sie im Familienbetrieb mitzuarbeiten begann. Als Lieblingsbeschäftigung benennen die Eheleute „ARBEITEN“ und beide lachen, wenn sie von Giselas Organisationstalent berichten: Man nennt sie in der Gaststätte liebevoll „General“. Gegenseitige Unterstützung ist in der Familie selbstverständlich. Beide sind stolz auf das eigene Leben, die Leistung ihrer Tochter, ihren Sohn Michael (geb. 1979, Mitinhaber Schlüsseldienst) und ihre Enkelkinder. Ehrenamtlich engagieren sich beide zusätzlich im Anglerverein.