MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Karlheinz und Doris Richter

Wider den Zwang

Karlheinz und Doris Richter

Meister für Obstbau
Bäckerin
Lichtenberggasse 11
04703 Leisnig

Man trieb ihm die Tiere einfach aus dem Stall. Schon vorher hatte sich Karlheinz Richter dem Zwang der Kollektivierung entzogen, auch wenn sein Vater 1961 notgedrungen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) beitrat, die noch als Typ I fungierte, also nur die Felder vergemeinschaftete. 1965 übernahm Karlheinz den elterlichen Bauernbetrieb, das Vieh im Stall blieb sein großer Schatz, bis 1972 die Staatsmacht zugriff. Zuvor versuchte man ihn durch mehrmalige Einberufungen zu Armee- und Reservedienst in die Knie zu zwingen. Da entschied er sich wiederum gegen die LPG (nun Typ III), arbeitete von da an im Obstbaubetrieb Leisnig. Hier im Anbaugebiet der Marke „Sachsenobst“ übernahm er nach kurzer Zeit als Kirschenpflücker mehr und mehr Verantwortung. 1941 in Leisnig geboren, hatte er nach dem Abschluss der 8. Klasse auf dem elterlichen Hof gearbeitet, zwei Jahre die landwirtschaftliche Berufsschule besucht. Nun holte er die 9. und 10. Klasse nach, konnte den Facharbeiterbrief für Obstbau ablegen und 1974 bis 1976 die Meisterschule besuchen. Im großen Obstbaubetrieb, der ca. 800 Hektar bewirtschaftete, übernahm Karlheinz Richter 1976 die Leitung der Technikbrigade, anfangs sechs, später fünfundzwanzig Traktoren oblagen seiner Obhut, dazu der sonstige Fahrzeugpark, die Gerätschaften. Seit er aus gesundheitlichen Gründen 1994 aus dem Arbeitsleben scheiden musste, hat er das eigene Land zum größten Teil an den Obstbau verpachtet. Vieh hat er bis vor vier Jahren noch selbst gehalten. Inzwischen sind Hof und Land dem erstgeborenen Sohn Mike (Jahrgang 1972) übertragen, der hauptberuflich ebenfalls im Obstbau zugange ist. Zwangskollektivierung traf 1960 auch die Eltern von Doris Richter, 1951 in Altenburg geboren. Sie wuchs in Bocka an der Grenze von Thüringen und Sachsen auf. Nach dem Schulabschluss lernte sie Bäckerin bei der Konsumgenossenschaft, arbeitete mehrere Jahre im Beruf. Als sie nach der Heirat 1971 vom Altenburger Land ins sächsische Muldental umsiedelte, galt ihre erste Sorge dem Haushalt, den Kindern (zwei Jungen, ein Mädchen). Ab 1974 übernahm sie im Elektromotorenwerk Leisnig (ELMO) Aufgaben in der Betriebsküche und im Bereich Mechanik, 1982 bis 1986 engagierte sie sich im Kindergarten des heutigen Leisniger Ortsteils Minkwitz. Später jobbte sie in Papier- und Schokoladenfabrik und die letzten vier Jahren bis zum Renteneintritt 1998 im Penny-Supermarkt.
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