MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Anneliese Rensch
Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Rentnerin
Kastanienallee 42
12627 Berlin
In ihrem eigenen Leben, bedingt auch durch die Regelungen in der DDR, hat Anneliese Rensch die Erfahrung gemacht, dass die Freude an fünf Kindern den beruflichen Lebensweg keineswegs behindern muss.
1933 in Breslau geboren, ist sie mit drei Geschwistern groß geworden. Der Vater war Eisenbahner, das war von Vorteil, als am Ende des Krieges die Flucht gen Westen organisiert werden musste. In Thüringen fand die Familie neue Heimat. Für Anneliese Rensch folgte nach dem Schulbesuch (1939/48) die Lehre zur Großhandelskauffrau beim Lager der Raiffeisengenossenschaft in Arnstadt (1948/50). Beim Kreisvorstand des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) trat sie ihre erste Stelle als Schreibkraft an. Sie wurde zur Vorbereitung der Weltfestspiele der Jugend 1951 nach Berlin delegiert. Danach ging sie als uniformierte Schreibkraft zur Seepolizei. Sie lernte ihren ersten Ehemann kennen, das erste Kind kam zur Welt, sie folgte dem Mann an wechselnde Standorte, bis dieser 1957 aus der Nationalen Volksarmee ausschied, Westverwandtschaft (ihre Eltern) war unerwünscht. Beim Rat der Stadt Neuenhagen, am Rand Berlins, stieg Anneliese Rensch als Sachbearbeiterin für Wirtschaftsfragen ein, wechselte nach drei Jahren als Referentin zur Konsum-Genossenschaft und wieder zwei Jahre später in den Kreisvorstand des FDGB Straußberg. Hier wurde sie später für die Gewerkschaft Handel, Nahrung und Genussmittel zur Vorsitzenden eingesetzt. 1965 erhielt sie die Möglichkeit, an der Hochschule der Gewerkschaft in Bernau ein dreijähriges Studium zu absolvieren, das sie als diplomierte Gesellschaftswissenschaftlerin abschließen konnte. Beim FDGB in Straußberg wurde sie danach Kreissekretärin für Arbeit und Löhne. Bei der Durchsetzung des Arbeitsgesetzbuches (AGB) gab sie in den Betrieben wichtige Impulse. Trotz des Umzuges 1983 nach Berlin blieb sie in Straußberg in Verantwortung, bis 1990, als die FDGB-Strukturen aufgelöst wurden, der Wechsel in den Ruhestand angezeigt war.
Die geschiedene Mutter von fünf Kindern darf stolz sein, diesen Weg mit Vollzeitjob neben dem Haushalt bewältigt zu haben, viele berufliche Auszeichnungen zeugen davon. Sie engagierte sich zudem in der Seniorenarbeit der Volkssolidarität und als Gemeinderätin. Heute sind es die vier Enkelkinder, der erste Urenkel, die ihrer Liebe bedürfen.