MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Regina Reinecke
Rückblick: Ein aufregendes und erfülltes Leben
Köchin
Inhaberin eines Schreibwarenladens
08373 Remse
Sie hat in verschiedenen Branchen ihre Brötchen verdient und wollte ursprünglich Krankenschwester werden. Regina Reinecke aus dem sächsischen Remse kam 1934 in Zwickau / Bockwa zur Welt. Sie ist verwitwet (war seit 1954 mit dem Bauingenieur Hans-Günther Reinecke bis zu dessen Tod verheiratet, hat jetzt einen Lebenspartner), hat zwei Töchter (geboren 1956 und 1959), sechs Enkelkinder und fünf Urenkel. Als das Haus ihrer Familie 1945 einem Bombenangriff zum Opfer fiel, überlebten von 16 Personen nur sie im Alter von elf Jahren und ihre knapp drei Jahre alte kleine Schwester. Noch heute hat Regina Reinecke diese schrecklichen Bilder vor Augen, wenn irgendwo gerade ein Haus abgerissen wird oder ein Kriegsfilm im Fernsehen läuft. Nach dem Abschluss der 8. Klasse lernte Regina Köchin im Zwickauer Ringcafé (1949). Als sie 1953 an Gelbsucht erkrankte und neun Monate im Krankenhaus lag, musste sie ihre Arbeit bei der Handelsorganisation (HO) aufgeben. Danach war sie in einer Wochenkrippe als Köchin beschäftigt. Später machte sie für eine Haarkosmetik-Firma Heimarbeit und danach arbeitete Regina Reinecke halbtags in einer Wäscherei. Sie erkrankte erneut schwer und fand eine Anstellung in der Buchhandlung, in der sie zwölf Jahre tätig war. Zudem übernahm sie die Bibliothek, die in ihrem Wohnort Remse unbesetzt war. 1994 startete Regina Reinecke mit 60 Jahren einen Neuanfang als Inhaberin eines Schreibwarenladens mit Lotto-Annahme, der gut angenommen wurde. Heute befindet sich in dem Geschäft, das sie bis 1996 führte, ein Bio-Laden. Acht Jahre lang pflegte sie ihre Mutter, die einen Schlaganfall erlitten hatte. Mit ihrem Mann, der nebenbei Musik machte, führte sie ein offenes Haus, das gern von Freunden und Bekannten besucht wurde. Stets ist Regina Reinecke gern zum Freizeitsport gegangen, wozu auch Schwimmen gehörte. Sie war Mitglied einer Frauengymnastikgruppe, machte sogar das Sportabzeichen. Für den DFD organisierte sie Ausflüge und reiste viel mit ihrem Mann. Außerdem gab es in der großen Wohnung von immerhin 170 Quadratmetern (zusammen mit Eltern und zwei Schwestern bewohnt, 1978 Umzug in zwei kleine Gebäude im Garten und Ausbau dieser) und im Garten stets eine Menge Arbeit für sie. Regina Reinecke spricht rückblickend von einem erfüllten Berufsleben und einer aufregenden Zeit, in der viel los war, aber für sie immer die Familie an erster Stelle stand. Als Jugendliche hat sie mit anderen Ziegel geputzt, war fleißig und arbeitssam. Gern erinnert sie sich als Teilnehmerin an die 1. Weltfestspiele der Jugend der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). „Das war im Jahr 1951 in Ost-Berlin“, erklärt sie voller Stolz.