MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christfried Boelter
„Resignation ist ein Ausdruck von Glaubensschwäche“
Pfarrer i. R.
99880 Schnepfenthal
Christfried Boelters Großvater und Vater waren ebenfalls Pfarrer. So wundert es nicht, dass Boelter, am 17.09.1948 in Farnroda geboren, Theologie an der Universität Jena studierte. 1969 war er Gründungsmitglied der Band Pontifax. Die sechsköpfige Band war ziemlich erfolgreich, ging sogar auf Tournee – es war eine aufregende, prägende Zeit für Boelter. Sein Vikariat absolvierte er von 1972–1974 in Apolda. Im Predigerseminar kam er u. a. in die Rhön, damals DDR-Sperrgebiet. Dort hörte er zum ersten Mal von der Gemeinde Frankenheim. Nicht viel Gutes: Das Klima war schroff, die Einwohner genossen ebenfalls keinen guten Ruf. Und doch wurde dieser Ort Boelters erste Pfarrstelle. Er fand wunderbare Menschen: Bewohner, die seine Arbeit dankbar annahmen und Kollegen, die zu Freunden wurden. Boelter organisierte einen Auftritt seiner alten Band und schaffte damit so viel Begeisterung unter den Jugendlichen, dass dort ebenfalls eine Band entstand. 14 Jahre blieb er in Frankenheim, dann bewarb er sich 1988 erfolgreich nach Friedrichroda. In der Zwischenzeit war auch privat einiges passiert: Bereits bei Amtsantritt in Frankenheim war Boelter mit seiner Frau Hella verheiratet. Hella studierte damals noch in Berlin, dann arbeitete sie bei der LPG im Nachbardorf. Das Paar bekam zwei Kinder: Franziska und Tillmann. Kaum in Friedrichroda angekommen, stand die Wende kurz bevor. Von Anfang an war Boelter sehr aktiv. Ab 19.10.1989 gab es in seiner Kirche Friedensgebete, und während eines solchen Friedensgebetes erreichte am 09. November die Nachricht vom Fall der Mauer die Kirche. Boelter wurde bis zu den Kommunalwahlen Leiter des Runden Tisches und gründete 1991 das Forum Westthüringen e.V., das sich als gefördertes Modellprojekt der EU der Zusammenarbeit im ländlichen Raum widmete. Als die Thüringer Landeskirche einen zentralen Ort für ihren Bildungsbereich suchte und in der ehemaligen Ferienanlage Reinhardsbrunn fand, wurde er dort in der Erwachsenenbildung tätig. Die Kirche hatte die Anlage von der Treuhand gekauft. Umso größer war die Überraschung, als 1995 Rückübertragungsansprüche auftauchten. Die Bildungseinrichtungen wurden wieder verteilt, das Areal sollte aufgegeben werden. Doch Boelter machte sich stark und schaffte es, den Standort zu erhalten. Er konnte die Rückübertragungsansprüche klären und nutzte die Anlage als Betriebsstätte für zwei aus dem Forum Westthüringen hervorgegangene Vereine. Einer widmete sich der Erwachsenenbildung, der andere, „Die neue Arbeit auf dem Lande e.V.“ stellte ein Wohnheim für Spätaussiedler, ein Kinder- und Jugendheim und Internatshäuser für das Salzmann-Gymnasium. Außerdem baute der Verein Miniaturen historischer thüringischer Bauwerke und die originalgetreue Johanneskirche, die 2001 als erste Radwegekirche eingeweiht wurde. Doch als direkt neben dem Gymnasium ein Internatshaus gebaut wurde, entschloss die Landeskirche sich 2010 endgültig dafür, das Areal zu verkaufen. Boelter hatte 2007 den Verein Kirche und Tourismus e.V. gegründet, dieser konnte einen Teil der Anlage erwerben. Mit 63 ging Boelter in den Ruhestand – wenn man das in seinem Fall so nennen kann. Er bleibt engagiert, führt Kirche und Tourismus e.V. ebenso als Vorstand weiter wie zwei Vereine, die sich der Versöhnungsarbeit vertriebener Christen widmen. Er leitet zwei Arbeitsgemeinschaften, die Pilgerwege entwickeln und beschreiben und macht sich allgemein für den spirituellen Tourismus stark. 2011 hat er außerdem den Förderverein Schloss und Park Reinhardsbrunn e.V. gegründet – und wünscht sich, seinem größten Traum, der Wiedereröffnung des Schlosses, auf diesem Wege näher zu kommen.