MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Doris Boi

Ein arbeitsreiches Leben

Doris Boi

Rentnerin
Helene-Weigel-Platz 13
12681 Berlin

Sie ist aufgeschlossenen und ehrlich. Eigentlich will Doris Boi Dekorateurin werden, doch es gibt keine Lehrstelle. Deshalb geht sie nach Abschluss der 8. Klasse auf Anraten einer Hausbewohnerin in die Schneider-Lehre. Sie lernt, Mäntel, Kostüme sowie Blusen und Kleider zu nähen. Obwohl ihr die Arbeit Freude macht, setzt sie diese Tätigkeit nach der Lehre nicht fort., denn sie erhält im Großhandel eine Stelle als Sachbearbeiterin. Später wird sie dort Disponentin für Kaffee. Sie nimmt Bestellungen auf, schreibt Lieferscheine. „Es war immer ein Risiko, den Kaffeebedarf eine Woche im voraus zu planen, da der Kaffee nur eine Woche gelagert wurde,“ erklärt sie. Beliefert wurden HO (Handelsorganisation) Konsum und einige private Geschäfte. Sechs Jahre hier beschäftigt, bekommt sie keinen Krippenplatz für ihr Kind und bleibt zu Hause. Um etwas dazu zu verdienen, besinnt sie sich auf ihren Beruf und näht in Heimarbeit. Zumeist sind es Änderungen, aber auch neue Kleidungsstücke, die sie nach eigenen Schnittmustern zuschneidet und näht. Nach dem Tod des Ehemannes, ist sie Zimmermädchen in einem Hotel. Mit der Wende arbeitslos, ist sie dann als Unterhaltsreiniger in verschiedenen Objekten tätig, zuletzt „Mädchen für alles“ an einer Schule. Sie hat für andere Frauen Nähkurse gegeben. In der Kulturgruppe des Betriebes hat sie Sketche mit aufgeführt. Noch gut kann sie sich an ihre Schultüte erinnern: „Mit Papier und einer kleinen Tüte Bonbons; die Tante hat mir dann noch eine grüne Gurke geschenkt.“ Sie ist weder bei den Pionieren noch in der FDJ gewesen. Zu den Weltfestspielen 1953 hat sie sich die gerade eröffnete Pionier-Republik in der Wuhlheide angeschaut. „1984 war für mich ein aufregendes Jahr: Mein Mann verstorben, die Rekonstruktion der Wohnung und das noch nicht fertige Häuschen im Garten.“ Doris Boi ist die erste Bewohnerin im ersten Hochhaus von Marzahn. Die 72-jährige ist sehr stolz auf ihre Tochter. Sie verbringt viel Zeit mit ihr und Bekannten. Sie liest Belletristik, Krimis und löst Kreuzworträtsel. Hobby der Berlinerin ist der Garten mit dem Häuschen in Grünau, wo sie den Sommer über wohnt..Sie lebt gern in Marzahn: „Hier ist es sehr ruhig und grün.“ „Zufriedenheit und Gesundheit“ bedeuten für sie Glück. Ihr großer Wunsch: „Noch ein wenig reisen können“; sie träumt davon, „China und Afrika zu besuchen, aber auch New York .“
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