MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Annemarie und Wolfgang Boohs
Die Patchwork-Familie
Rosenstr. 1 a 02791 Oderwitz
Wolfgang, 1937 in Schlesien geboren, hatte gerade ein Jahr die „Adolf-Hitler-Schule“ am „Adolf-Hitler-Platz“ besucht, als die Geschichte neu geschrieben und die Familie im Dezember 1944 ausgewiesen wurde. Mit Mutter, Großeltern und drei Geschwistern im Sammellager untergekommen, dauerte es Monate, bis die Familie Wohnraum erhielt. Er setzte seine Schuljahre fort, lernte danach zwei Jahre Maschinenschlosser. Nicht sein Traum, denn eigentlich wollte er gerne Dekorationsmaler werden. Die Zeiten waren nicht danach, es musste Geld verdient werden und da war diese Lehre die bessere Wahl, fand die Mutter. Um den beengten Verhältnissen zu Hause zu entkommen, meldete er sich freiwillig zur Kasernierten Volkspolizei, diente 3 ½ Jahre. Als Kraftfahrer bei der Armee, Kraftfahrer in einem VEB und in einem Verlag verdiente er weiter sein Geld. 35 Jahre arbeitete er in diesem Beruf, wurde dann Hausverwalter im Verlag und mit der Wende wurde er „großzügig abgewickelt“, in den Vorruhestand. Die mehrfachen Auszeichnungen als Aktivist erinnern heute an seine außergewöhnlichen Leistungen im Berufsleben.
Seine heutige Frau Annemarie (Frau Erika verstarb) wurde 1939 in Lichtenberg geboren und erinnert sich noch sehr lebhaft an ihre eigene Vertreibung aus dem heutigen Polen. Als Fünfjährige in eineinhalb Stunden, nur das Nötigste einpacken könnend, auf dem Sammelplatz zu Aussiedlertrecks zusammengestellt, zu Fuß von Lichtenberg nach Oderwitz, immer die Angst im Nacken, eine Erinnerung, die sie nie wieder loslassen wird. Mit den Eltern bei anderen Verwandten untergekommen, erhielten sie später eine möblierte Wohnung, auf Grund von Vermittlung eines Weggefährten des Onkels. Dass sie nie wieder in die Heimat zurück durften, war ihnen damals noch nicht klar. Sie selbst belegte die 8-Klassige Schule, das Abitur wurde ihr verwehrt, weil der Vater Beamter war. So lernte sie in den Grafischen Werkstätten Schriftsetzer. Ein Beruf, den Sie gerne ausgeübt hat. Vier Kinder brachte sie zur Welt, heiratete und verlor ihren Mann durch Tod. Ihre vier Kinder zog sie alleine groß und lächelt, wenn sie sich daran erinnert, dass die Kinder immer besonders lieb waren, aus Sorge die Mutter auch noch zu verlieren. Und gerne denkt sie an die Auszeichnung, die sie staatlicherseits erhielt für ihre Erziehungsarbeit. Eine Sache, auf die sie mit Recht stolz ist.
Die Eheleute Boohs lernten sich 1987 im Urlaub kennen, sind indessen bereits 24 Jahre verheiratet und freuen sich auf die Silberhochzeit. Nun ist es eine Patchwork-Familie mit sechs Kindern und sieben Enkelkindern, die zusammenhält und sich gegenseitig hilft.