MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ute und Ekkehard Reichert
Lehrer gesucht!
Lehrer
06618 Naumburg
Mit Pferden und Reiten auf dem Lande aufgewachsen, wollte sie Jockey werden. Durch Kriegswirren vertrieben, wandelte sich der Berufswunsch in Dolmetscherin. Vater untersagte dies. Ratlos sinnierte Uta Reichert, geboren am 29.12.1935 in Stolp/Pommern, über die Zukunft. Antwort gab eine Annonce: „Lehrer gesucht!“
Als Vertriebene in Aschersleben angekommen, wurde Schulbesuch erst nach zweijähriger kriegsbedingter Pause erneut möglich. Besagtes Inserat führte zum Direktstudium ans Institut für Lehrerbildung nach Halle. Ausgebildet für alle Fächer, legte Frau Reichert 1954 das Examen ab und begann als Unterstufenlehrerin in Nebra.
1960 heiratete sie ihren Ekkehard, zog nach Naumburg und unterrichtete an der Salztorschule Deutsch, Mathematik, Heimatkunde, Werken und Sport.
Nach Qualifizierung erteilte die Pädagogin zehn Jahre Mathematik- und Russischunterricht bis Klasse 6 und avancierte zur stellvertretenden Direktorin mit Verantwortung über etwa 40 Lehrer und 700 Schüler.
Eine Lehrerin, wie sie im Buche steht, engagierte sich in überragender Weise, hatte unglaubliche Freude daran, und so manche Stunde verfloss bei der Herstellung von Anschauungsmaterial. Unter anderem kreierte sie mit Unterstützung ihres handwerklich begabten Mannes ein Vogelhäuschen, das die kleinen Pennäler erfreute.
1985 gab sie krankheitsbedingt den Direktorenposten auf, lehrte wiederum bis Klasse 6 und musste sich 1989 als Invalidenrentnerin aus ihrem Metier verabschieden.
Stolzer als auf die Pestalozzi-Medaille war sie auf die große Auszeichnung der Ernennung zum Oberlehrer und noch stolzer auf die Einladung ihrer einst ersten Klasse vor 50 Jahren in Nebra zum Klassentreffen.
Ehemann Ekkehard, gebürtiger Naumburger, war Oberstufenlehrer für Geografie und Sport. Der frühere Leistungssportler im Turnen betrieb diese Sportart bis ins hohe Alter, erzielte zahllose Medaillen und trainierte den Nachwuchs.
Sehr naturverbunden, erklärte der Pilzsammler und Hobbyfotograf seiner Frau die Heimat, Pflanzen und Tiere. So ergänzte sich das Paar perfekt und Frau Reichert schenkte ihr Wissen den Schülern.
Sie nähte gern – auch das Hochzeitskleid ihrer Tochter – und nach dem Tod ihres Mannes hat sie durch den von ihm gebauten Bungalow im Garten eine lebendige Erinnerung.
Ihre Kinder Kerstin, Torsten und Hagen schenkten ihr die Enkel Christine, Andrea, Tom, Katja, Tina und Lea, und der Weihnachtsabend wird bei gebrutzelter Gans zum Fest für alle.
Und hieße es rückblickend: „Lehrer gesucht!“, Frau Reichert wäre zur Stelle.