MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ingrid Reichelt

„Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean Verstand.“ (Blaise Pascal)

Ingrid Reichelt

und Rolf Lommatzsch
Landwirtin für Geflügelzucht, Gärtnerin
Klempner, Installateur
Beethovenstr. 8
09669 Frankenberg

Im Sommer 1944 wurde das Mädchen Ingrid im Erzgebirge geboren. Der Vater war Lagerist, die Mutter eine Strumpfnäherin. 1930 war bereits ein Bruder geboren worden. Weil der Vater dem Krieg entgehen wollte, meldete er sich zur Polizei. Doch auch dort wurde er zu besonderen Einsätzen herangezogen, musste letztendlich Kriegsdienst leisten. Nach Kriegsende zurückgekehrt und 1946 von den Russen verhaftet, verstarb er im Januar 1947 in der Gefangenschaft. Die Mutter musste nun sich und die Kinder alleine durchbringen. Sie zog erst zu den Großeltern in ein kleines Siedlungshaus, hatte aber das Glück später einen neuen Partner und Vater für die Kinder zu finden. „Nun bekam ich noch zwei weitere Geschwister dazu und wir zogen nach Euba“ erzählt Ingrid Reichelt. Und berichtet weiter: „Da meine Eltern die Arbeit in Euba aufgeben mussten, sind wir oft umgezogen (verschiedene Bauernhöfe). Dadurch besuchte ich die Schule an verschiedenen Orten von 1951–1961. Meine landwirtschaftliche Lehre begann ich in Ehrenberg.“ Gerne wäre sie Tierärztin geworden, doch es kam anders. Der Stiefvater arbeitete als Schweizer (Melker) in der Landwirtschaft und die Familie hatte eine kleine Neubauernstelle in Euba erhalten. Doch als die ehemaligen Hofbesitzer aus dem Westen zurückkehrten, wurde denen der Hof wieder zugesprochen und die bis dahin investierte Arbeit war umsonst. Ingrids Eltern mussten den Rückkehrern weichen, gerade als sie selbst begann Interesse für die Landwirtschaft zu entwickeln. Als sich ihr eine Chance bot Zootechnikerin zu werden, sagte sie die Lehrstelle ab, um nicht ihre erste große Liebe durch Entfernung zu gefährden. In Breitenau lernte sie stattdessen den Beruf Landwirt für Geflügelzucht. Die Jugendliebe hielt trotzdem nicht. Die junge Ingrid genoss ihr Leben, trieb viel Sport, ging tanzen. Dabei lernte sie ihren ersten Mann kennen und heiratete ihn 1966. Tochter Heike wurde im gleichen Jahr geboren, Sohn Jörg (mit 20 Jahren verstorben) ein Jahr später. Das gemeinsame Leben hatte Höhen und Tiefen und endete mit der Scheidung. Auch ihre Jungendliebe hatte wenig familiäres Glück und so fanden die beiden wieder zusammen. Er brachte Tochter Heike mit in die Ehe und die gemeinsame Tochter Evelyn (1989 tödlich verunglückt) vervollständigte 1971 die junge Familie. Vier Kinder, Kleintierhaltung, Haushalt waren nicht so einfach zu bewältigen. Ingrid Reichelt arbeitete vorübergehend nicht, wurde jedoch vom Rat der Stadt beauflagt künftig einer Arbeit nachzugehen. In einer Polstermöbel, Betten- und Steppdeckenfabrik wurde sie als Springerin und Maschinenarbeiterin tätig. Dem Familienleben bekam das nicht gut und erneute Scheidung folgte. Letztendlich fand sie 1989 über ein Inserat wieder einen zuverlässigen Partner. Rolf Lommatzsch begleitet sie seitdem auf ihrem Lebensweg. 1990 zog sie zu ihm nach Frankenberg (Hochzeit 2016). Sie arbeitete zuvor in einer Gärtnerei, hatte hier einen zweiten Facharbeiterbrief als Gärtnerin Zierpflanzen- und Gemüsebau erlangt. In Frankenberg fand sie keine entsprechende Arbeitsstelle und wurde deshalb in der Krankenhaus-Küche tätig, für die nächsten 17 Jahre, bis zum Eintritt in die Rente mit 63 Jahren. Rolf Lommatzsch (eine Tochter aus 1. Ehe) ist „Ur-Frankenberger“. 1946 hier geboren, absolvierte er die 10-klassige Oberschule (1953–1963), lernte danach den Klempner-Beruf in der PGH „Ausbau“ Frankenberg. Nach der Lehre wechselte er zum VEB Barkas Karl-Marx-Stadt, und arbeitete in der Produktion. Ein weiteres Stellengebot führte ihn zum Zentralen Unternehmen Konsument wo er wieder seinem erlernten Beruf nachging bis zur Kündigung im Jahr Jahr 1994. In einer Zeitarbeitsfirma verbrachte er die letzten Arbeitsjahre und war als Rentner noch bis zum 70. Lebensjahr als Zeitungszusteller aktiv. Die Eheleute sind stolz auf ihren Lebenslauf und darauf, nie aufgegeben zu haben. Glück ist für die beiden Gesundheit, ein verlässlicher Partner und gute Freunde. Sie sind vielseitig interessiert, naturverbunden, lesen gerne und besuchen kulturelle Veranstaltungen. „Frieden auf der Welt .... das eigene Leben bekommt man schon irgendwie hin...“ wünscht sich Ingrid Reichelt.
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