MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Edeltraud Reich
„Niemals aufgeben!“
Stepperin, Montiererin
Buchberg 8
09326 Geringswalde
Auch wenn sie den Zweiten Weltkrieg mit Hunger, Armut und Fliegeralarm erlebt und überlebt hat, spricht sie, rückblickend auf ihr langes Leben, von einer guten Kindheit. Edeltraud Reich, geborene Schlimpert, aus dem sächsischen Geringswalde erblickte 1931 in Hilmsdorf in Sachsen das Licht der Welt. Sie wuchs mit noch zwei Brüdern auf. Die Mutter war Hausfrau und half stets zusammen mit ihren Kindern in der Landwirtschaft. Oft ging es zum Kartoffeln-Stoppeln, damit die Familie was zu beißen hatte. Der Vater war Brunnenbauer. Nach ihrer Schulzeit (1938-1946) mit dem Abschluss der 8. Klasse wollte Edeltraud Schneiderin oder Friseuse werden. Doch für eine solche kreative Ausbildung fehlte das Geld, denn der Vater war im Krieg. Edeltraud Reich, die von 1954-2017 mit ihrem aus Weimar in Thüringen stammenden Mann Erich Reich (Bauarbeiter, Zimmermann, 2017 gestorben) verheiratet war, besuchte die allgemeine Berufsschule. Nach den drei Jahren Lehrzeit sammelte sie in der Strohschuhfabrik erste berufliche Erfahrungen. Von 1948-1954 war Edeltraud Reich als Stepperin im Hausschuhwerk Hartha beschäftigt. 1954 wurde Sohn Peter (Berufskraftfahrer) geboren, der zwei Kinder hat. Von 1956-1962 arbeitete Edeltraud Reich in der Handschuhfabrik Naumann. In Heimarbeit stellte sie Arbeitshandschuhe für das Unternehmen her. Doch sie wollte unter Menschen sein und fand 1963 eine Anstellung bei Stern Radio als Monteurin und Kabelformerin. Nach 27 Jahren ging sie im Jahr 1990 in den Ruhestand. Edeltraud Reich ist stolz, alles gut gemeistert zu haben und kommt noch immer im hohen Alter allein gut zurecht. Sie führt ein selbstständiges Leben und will es in Gesundheit noch lange genießen. Mit Arbeit hat sich die Frau aus Sachsen immer fit gehalten. Sie liebt ihren Obstgarten mit den vielen Apfelbäumen, hielt Schafe und Kaninchen. Edeltraud Reich weiß in ihrem Haus, das sie mit ihrem Erich 1967 kaufte, die Nähe zu Sohn und Schwiegertochter sehr zu schätzen. Ihre große Puppe aus fernen Kindertagen hat sie ihrer Schwiegertochter „vererbt“. „Wir verstehen uns gut“, erklärt die Mutter, Schwiegermutter und Oma. Die Schwiegertochter, die für sie einkauft und sie auch mitnimmt, damit sie mal rauskommt und was anderes sieht, macht ihr oft Mut. Und Edeltraud Reich ist dankbar dafür und froh darüber. „Niemals aufgeben und sich nicht gehen lassen“, lautet ihr Lebensmotto. Früher hat sie in einem Sportverein mitgemacht und liebte auch Handarbeiten. Gern denkt sie noch an ihre Berufsjahre bei Stern Radio zurück. Edeltraud Reich hat viele Unterlagen wohl geordnet aufbewahrt. Dazu gehören auch Auszeichnungen.