MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerhard Reichl
Kontinuität in Beruf und Familie
Bäcker i. R.
Sulzer Ring 6
99090 Erfurt-Tiefthal
Fon: 036201/ 7034
Gerhard Reichl und seine Ehefrau Marlis sind ein untrennbares Team, nun schon über fünfzig Jahre. Glücklich dürfen sie sich schätzen, dass auch die vier Kinder ihren überzeugenden Weg ins Erwerbsleben gefunden haben.
Dabei waren die frühen Jahre für Gerhard Reichl nicht leicht, gehörte seine Familie doch zu jenen, denen in den Wirren der Kriegsfolgen das Vertriebenenschicksal nicht erspart blieb. Geboren wurde er 1939 in Redenitz (Nordböhmen, damals Reichsgau Sudetenland). 1945 fand die Familie im Thüringischen neue Heimat. Von 1946 bis 1954 besuchte Gerhard Reichl die Schule, dann realisierte er mit der Bäckerlehre seinen Traumberuf. In ersten Gesellenjahren erwarb er sich die Erfahrung, um ab 1961 als selbständiger Bäcker durch die Übernahme der Gemeindebäckerei in Tiefthal (heute Ortsteil der Landeshauptstadt Erfurt) sein eigenes Geschäft eröffnen zu können. Seit demselben Jahr stand ihm Frau Marlis als Ehefrau und gute Seele des Geschäfts immer zur Seite. Sie war es denn auch, die im Laden mit den Menschen des Orts direkten Kontakt pflegen konnte. Die Einwohner von Tiefthal und dem Nachbarort Kühnhausen, zeitweise in der Filiale in Mittelhausen und Kunden aus ca. 30 km Umfeld wussten dies und vor allem die Kreationen der Backstube zu schätzen. 1963 hatte Gerhard Reichl die Meisterprüfung seines Handwerks bestanden. Wenn zu DDR-Zeiten die Rohstoffzuteilung oft begrenzt war, Familie Reichl konnte mit dem eingeweckten Obst bei der Herstellung der Kuchen auf eigene Reserven zurückgreifen. Eigenleistungen waren jedoch nicht nur Brot, Brötchen und Gebäck, auch die von Zeit zu Zeit anstehenden Bau- und Rekonstruktionsarbeiten mussten oft mit der Maurerkelle in den eigenen Händen erledigt werden. Urlaub gönnten sie sich in vielen Jahren kaum oder gar nicht, erst mit dem Ende der DDR kamen Spielräume zeitlicher und endlich grenzenfreier Natur, waren Gegenden in allen deutschen Landen zu besuchen, waren Spanien, Österreich und die Dolomiten zu entdecken.
In Thüringen, wo der Gesang zu Hause sein soll, war die Mitwirkung im örtlichen Gesangsverein und im Kirchenchor für Gerhard Reichl stets besondere Freude. Dazu engagierte er sich als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, erfuhr bei manchen Gelegenheiten von den dortigen Kameraden seinerseits Unterstützung.